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Ausstellungen: Köln · von Jürgen Raap · S. 369 - 369
Ausstellungen: Köln , 1994

Jürgen Raap
Ellen Keusen

Artothek, Köln, 5.5. – 21.6.1994

135 Zeichnungen aus den vergangenen beiden Jahren hat Ellen Keusen zu einer Wandinszenierung zusammengefügt. Die Hängung erfolgt nicht chronologisch, sondern nach dem Prinzip einer musikalischen Komposition mit einer rhythmischen Verteilung der Blätter, auf den Helligkeiten hier, Dunkelwerte dort dominieren. Variationen eines Blattes mit „zentralen“ Motiven werden dabei in dessen unmittelbarer Umgebung angeordnet. Mehrfach hat Ellen Keusen innerhalb dieser Werkphase bereits vorhandene Zeichnungen nachträglich zerschnitten und überarbeitet, so daß sich konzeptuell zwischen Vorgegebenem und neuer Bildfindung, ikonologisch dann auch zwischen Figurativem und gestischer Abstraktion in der Aufreihung kontrapunktive Spannungsmomente ergeben.

Frühere Zeichnungen waren völlig abstrakt und rein linear angelegt; nunmehr steht die Frage im Vordergrund, wie und vor allem wann es geschieht, daß sich innerhalb strukturanalytischer Strichelungen, Schraffuren und Verwischungen „automatisch“ im Bild eine Sinnträgerschaft einstellt: ein Zeichen wird ja bekanntlich erst dann zu einem solchen, wenn es der Betrachter in entsprechender Weise wahrnimmt, ausdeutet und intellektuell einordnet. Daß und ob das auf den Blättern Sichtbare Bedeutung im semantischen Sinne gewinnt, ergibt sich somit nicht so sehr auf der Ebene der künstlerischen Intention, sondern auf jener der Rezeption als Assoziation und Interpretation.

Andeutungen von Menschenfiguren legen eine Wahrnehmung von gebückter oder embryonaler Haltung nahe, dies jedoch nur bedingt. Filigrane Striche, Silhouetten- und Schemenhaftes, spiegelsymmetrisch angelegte konkrete und plastisch-körperhaft ausformulierte Figurationen, pastos angelegte Farbflächen und lakonische Textbeifügungen wie „Fisch-Mond-Berg-Teil“ verdichten sich zu einem formalästhetisch-materiellem wie inhaltlichen Konglomerat sowohl auf dem Einzelblatt wie im Gesamtarrangement. Wo Schattierungen, Hell- und Dunkelpartien zu räumlicher Wirkung führen, ist dies bisweilen technisch…


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