Ausstellungen: Hamburg · von Silke Müller · S. 349
Ausstellungen: Hamburg , 1994

Silke Müller

Otto Zitko

Kunstverein in Hamburg, 15.5. – 12.6.1994

„Es waren Bilder von einer eigentümlichen formalen Rastlosigkeit – große Formate, auf denen in einer flachen Räumlichkeit ein unruhiges Schlingwerk von sonderbarer barocker Wildheit die Fläche überwucherte. Unruhige Zeichen in rhythmischer Wiederholung schrieben kryptische Botschaften in die turbulenten Bewegungen der Formen.“

Werner Haftmann, Malerei im 20. Jahrhundert, Band 1, 7. Auflage, München 1987, S. 478

Das Ausmessen von Armlänge, Muskelkraft und seelischen Befindlichkeiten mittels Ölstiften und Pastellkreiden auf einer riesengroßen weißen Wand – was fängt man heute, rund 45 Jahre nach den Anfängen des Abstrakten Expressionismus damit an?

Ist es die Verzweiflung des Malen-Wollens und Nicht-Dürfens, die sich hier Bahn bricht? Das hektische Übermalen der Autorenschaft, die doch als Fingerabdruck der Seele, der geistigen Verfassung und auch noch der räumlichen Bedingungen verstanden werden soll?

Otto Zitko (*1959 in Linz) hat auf Einladung des Kunstvereins in Hamburg eine Woche lang eine über 20 Meter lange Wand bearbeitet, deren Vorder- und Rückseite sowie die durch die Stellwand verdeckte Stirnseite des großen Ausstellungsraumes. Betritt man den über 1000 Quadratmeter großen, lichtdurchfluteten Raum, bilden die vorderen zwei Drittel der Halle einen riesigen Ehrenhof für das monumentale Wandbild, auf das man ehrfurchtsvoll hinzuschreiten kann. Ein „Schlingwerk von sonderbarer barocker Wildheit“ überwuchert die Fläche, könnte man den alten Haftmann zitieren, der damit allerdings die Nachkriegsarbeiten von Jackson Pollock beschrieb und noch von einer Weltsprache Abstraktion träumte. Bunte Wirbel, bis zur „physischen Erschöpfung“ (so der Pressetext) auf die sorgsam in ihren Begrenzungen akzeptierte Wand gekreiselt, zeigen nur eins: Zitko hat geschuftet.

Eine Theorie läßt…

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