Magazin: Symposien & Kongresse · von Elisabeth Jappe · S. 144 - 143
Magazin: Symposien & Kongresse , 1982

Performance-Symposium in Lyon

Sich neben Paris zu behaupten, war für eine französische Stadt immer schwer. Als in Paris der Eiffelturm entstand, baute sich Lyon auch einen: immerhin ist die Spitze ihres Turms genau so hoch wie die in Paris. Nur steht sie auf einem hohen Berg, so daß die Lyoner sich die Kosten für die unteren Dreiviertel sparen konnten.

Gespart wird auch an der modernen Kunst. So ergriffen einige engagierte Künstler und Galeristen, angespornt von Orlan und Hubert Besacier, selbst die Initiative und organisieren nun seit 1979 ein internationales Performance-Symposium. Das Programm war diesmal bescheidener als in früheren Jahren, doch die Beteiligung einiger renommierter Künstler verlieh internationalen Glanz. Soll die Tatsache, daß Bernard Heidsieck – Altmeister der Lautpoesie – der einzige französische Künstler im Programm war, bedeuten, daß junge Performance hierzulande Mangelware ist? Dafür war die Beteiligung aus England und Irland besonders stark. Italien war nur mit einer Gruppe vertreten, die allerdings typisch für die sehr „theatralische“ italienische Performance war. In den Diskussionsbeiträgen der Kritiker am letzten Tag wurde noch einmal unterstrichen, was schon vorher deutlich wurde: es gibt in Europa zwei Tendenzen: besonders die Briten arbeiten meist sehr inhaltlich, betonen die sozialen, moralischen und ideologischen Ansprüche ihrer Kunst, wohingegen die Italiener – als Gegenpol – ausgesprochen formalistisch. Das Team Ascari/Frigerio zeigte eine Arbeit mit Licht und Körperbewegung. Auf einer großen Bühne bewegte sich ein weißgekleideter Tänzer, von dem hin und wieder im wandernden Lichtstrahl der Diaprojektoren einzelne Körperteile sichtbar waren. Minimal Theater scheint in Italien immer noch „in“ zu sein, wenn…

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