Biennalen: Graz · von Heinz Schütz · S. 345
Biennalen: Graz , 1996

Heinz Schütz

Radikale Bilder

»2. Österreichische Triennale zur Fotografie«

Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum und Künstlerhaus, Graz, 15.6. – 28.7.1996

Die erste Österreichische Triennale zur Fotografie war dem Thema „Krieg“ gewidmet, die zweite steht nun unter dem Titel „Radikale Bilder“. Zieht man den bisherigen kunsttheoretischen Gebrauch des Terminus „radikal“ in Betracht, ist seine Anwendung auf die Fotografie keineswegs selbstverständlich. So bezieht sich die in den achtziger Jahren aufkommende Bezeichnung „radikale Malerei“ auf Bilder, in denen – meist an der Grenze zur vollständigen Monochromie – Farbe, Farbauftrag und Farbträger thematisch werden und die in gezielt antimimetischer Reduktion auf einem selbstreflexiven Purismus der Malerei insistieren. Im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet „radikal“ kompromißlos, umfassend, von Grund auf, ohne Rücksicht, bis in die letzte Konsequenz hinein. So sehr der Begriff im Zusammenhang mit Kunst positiv erscheinen mag, kann er sich etwa im politischen Zusammenhang, je nachdem welche politische Einstellung er verstärkt, rasch ins Negative kehren.

Was kann unter „radikaler Fotografie“ verstanden werden? Folgt man den Katalogbeiträgen, gehen die beiden Kuratoren der Ausstellung Werner Fenz und Reinhard Braun davon aus, daß ein radikaler, vom Gestus der Negation bestimmter Traditionsbruch, wie ihn der Avantgardismus pflegte, heute kaum mehr möglich ist. Dasselbe gilt für das Sujet: In der alltäglichen Bilderwelt wurden längst die verschiedensten Tabus in bezug etwa auf Gewalt, Sexualität und Privatsphäre durchbrochen. Es wimmelt von sensationellen Bildern. Radikalität kann nicht darin bestehen, diese Bilder zu übertreffen. Fenz sieht denn das Radikale als Methode und „Organisationsform der Kunst“, mit der sie in klar determinierte Systeme eindringt. Im Verweis auf Lacan stellt sich…

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