Ausstellungen: Zürich · von Max Glauner · S. 344
Ausstellungen: Zürich , 2010

Max Glauner

Rosemarie Trockel

»Verflüssigung der Mutter«

Kunsthalle Zürich, 8.5. – 15.8.2010

Mit einem Paukenschlag verabschiedet sich Zürichs Kunsthalle von ihrem Quartier im Löwenbräuareal: Man zeigt bis Mitte August „Rosemarie Trockel – Die Verflüssigung der Mutter“. Danach wird hier zwei Jahre saniert. Dann müssen die Kunsthalle wie ihre Nachbarn, das Migros Museum, einige Galerien, darunter Hauser & Wirth und Eva Presenhuber, Ausweichquartiere beziehen. Während die Einen mit düsteren Pferdekadaver-Skulpuren von Berlinde De Breuyckere (Hauser & Wirth) Abschied nehmen oder mit einer Auswahl aus den Sammlungsbeständen (Migros Museum), zeigt die Direktorin des Züricher Kunstvereins Beatrix Ruff eine längst überfällige monografische Ausstellung der Ausnahmekünstlerin aus Köln. Ein besonderer Glücksfall: Im nahen Basel werden im Kupferstichkabinett des Kunstmuseums zeitgleich Zeichnungen, Collagen und Buchentwürfe Rosemarie Trockels gezeigt (30. 5. – 5. 9. 2010), wodurch sich nun in der Nordschweiz ein einmaliger Einblick in dreißig Schaffensjahre ergibt.

„Verflüssigung der Mutter“, der vieldeutige Titel der Züricher Ausstellung, ist Programm. Er kündigt das ästhetisch-hermeneutische Vexierspiel an, das Trockels Arbeiten auszeichnet. Die „Verflüssigung“ darf als Liquidation, als Hinrichtung, Auflösung und Verarbeitung der symbolischen Mutter gelesen werden, Bild eines jahrelangen, ja lebenslangen Prozesses der Emanzipation und Kreativität. Liquidation der Autoritätsmodelle gibt die Handlungsanweisung und das Model für Trockels künstlerische Arbeit.

Auflösung erleben wir gleich zum Auftakt der Ausstellung. Am Eingang ist eine jener Videoarbeiten zu sehen, die für viele das Bild von „der Trockel“ bis heute prägen. In dem achteinhalb Minuten langen Loop „Ohne Titel“ aus dem Jahr 1992 überlagern sich zwei Bildflächen, eine abstrakte und eine figurative. Die abstrakte erscheint materiell konkret: Gegen einen…

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