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Ausstellungen: Berlin · S. 266 - 266
Ausstellungen: Berlin , 1989

Angelika Stepken
Szene Mockba

Szene Mockba, Teil 2: Igor Kopystiansky und Svetlana Kopystianskaya, Galerie Eva Poll, 26.9.-28.10.1988

„Wenn es Bildern verwehrt ist, am künstlerischen und geistigen Prozeß teilzunehmen, nahem sie sich der Welt der Gegenstände an, man kann sie gebrauchen wie Dinge“, schreibt Igor Kopystiansky in einem Katalogtext. Noch während der Vorbesichtigungen zur spektakulären Sotheby’s-Auktion im Sommer in Moskau lagerten seine Werke unter oder hinter anderen, aufgerollt oder gestapelt. Bis zum Jahre 1985 verharrten sie fast ausschließlich in dieser Warteposition. Dann begann Kopystiansky diese spezifische Präsenz seiner Bilder als Ausgangspunkt und Material für einen neuen konzeptuell-konkreten Arbeitsansatz zu verwerten. Der ideelle Ausdrucksund Darstellungswert seiner Bilder hatte keine Beachtung gefunden, also operierte er nur mehr mit ihrem abstrakten Kunst-Charakter sowie ihrer physischen Erscheinungsform und Substanz. Er zerstörte und rekonstruierte seine Werke, baute mit ihnen statische Konstruktionen bis hin zu kompletten Einrichtungsgegenständen. (Elton John legte im Sommer umgerechnet 120.000 Mark für ein restauriertes Kopystiansky-Gemälde hin – im Westen müssen die Preise nun erst einmal auf ein Drittel dieser Summe zurückgeschraubt werden…)

Im Eingangsilur der Galerie Eva Poll plazierte Kopystiansky ein Schlüsselwerk: 60 aufeinandergetürmte Ölgemälde. Die Bildflächen dieser „Kompakten Exposition Nr. l“ von 1985 sind verdeckt. Das Werk gibt keinen Aufschluß über seine (frühere) Malerei. Eine weitere „Kompakte Ausstellung“ aus demselben Jahr besteht aus einem Stapel zusammengefalteter bemalter Leinwände. Die Farbe ist an den Faltungen rissig und abgebrochen. Derart gelagerte Bilder sind restaurationsbedürftig. Kopystiansky überläßt den Prozeß des „Verderbens“ von Kunst nicht dem Schicksal: Er malt neue „alte“ Bilder, um sie zu zerstören, um sie zu…


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