Magazin: Publikationen · von Justin Hoffmann · S. 506
Magazin: Publikationen , 1996

Verschlüsseln leicht gemacht

Der kleine Abhörratgeber

Das Buch verbreitet Zuversicht. „Keine Panik“ nennt sich deshalb das AutorInnenkollektiv, das die holländische Ausgabe übersetzte, aktualisierte und den juristischen Gegebenheiten der BRD anglich. Denn zu oft wird von der Ohnmacht gegenüber dem Staat und seinen vielfältigen Überwachungsmaßnahmen ausgegangen. Der kleine Abhörratgeber dagegen will zeigen, wo, wann und wie man sich gegen ein Belauschen und Beobachten erfolgreich wehren kann. Er vermittelt Kenntnisse, „um mit der vermeintlich technischen Allmacht staatlicher Stellen und derlei Märchen aufzuräumen“. Und das auf eine Weise, die auch dem Laien verständlich ist. Die technisch komplizierteren Passagen, die es natürlich auch gibt, sind eigens gekennzeichnet. Ein besonderes Augenmerk wird auf die häufig genutzten Freiräume von Internet und Mailboxen gelegt. Um eine unkontrollierte Kommunikation in der Praxis zu unterstützen, liegt dem Buch eine Diskette mit dem Verschlüsselungsprogramm „Pretty Good Privacy“ bei. Im Sinne der Cypherpunks wird eine Kryptographie zum Schutz der Privatsphäre befürwortet. Dabei ist die Verschlüsselung von Nachrichten über die Computernetze heftig umstritten. Für die AutorInnen bedeutet sie jedoch nichts anderes, als einen Briefumschlag für elektronische Post zu verwenden. Aber nicht nur über Computer, sondern auch andere Technologien wie Nachtsichtgeräte, Richtmikrofone und Mobiltelefone wird ausreichend informiert. Dabei wird mit der Vorstellung aufgeräumt, der Äther sei frei und das Handy eine Möglichkeit, ungestört zu kommunizieren. Deshalb das desillusionierende Fazit: „Jeder, der sich ein bißchen anstrengt, kann die Gespräche mithören.“ Immer wieder bekommen die staatlichen Einrichtungen Probleme damit, Kontrollmaßnahmen der raschen Entwicklung der Telekommunikation juristisch anzugleichen. Mit der Fernmeldeanlagen-Überwachungs-Verordnung (FÜV), die seit dem 18. Mai 1995…

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