Ausstellungen: Düsseldorf · von Martin Seidel · S. 313
Ausstellungen: Düsseldorf , 2006

Martin Seidel

Vivienne Westwood

»Prinzessin Punk«
NRW-Forum Kultur und Wirtschaft, Düsseldorf, 6.2. – 14.5.2006

Wie die Modells über die Catwalks von Paris, Mailand und New York defilieren! Mit Schuhen, die das Gehen behindern, mit seiltänzerisch auszubalancierenden Hüten und meterweit ausladenden Kostümen: Von Bequemlichkeit keine Spur. Stattdessen ins Leben drapierte Künstlichkeit mit der abstandheischenden Museumsaura des „Please don’t touch“.

Das Klagelied der Warenästhetik in der Kleiderfrage ist oft Konsumkritik und geht ganz einfach: Mode ist ein Gebrauchsartikel; sie schafft ständig neue Anreize, ist kurzlebig und konformistisch und im Übrigen einem minderwertigen Zeitgeschmack verpflichtet. Mit solchen Verkürzungen wird auch die arrivierte und gerade in den Adelsstand gehobene Vivienne Westwood konfrontiert – zumindest, wenn ihre Kollektionen da landen, wo sie die Hüter hehrer Ideale gerade nicht haben wollen: im Dunstbereich der Kunst.

Dabei sind Westwoods aus der Reihe des praktisch und sinnvoll Anzuwendenden tanzenden Kreationen hier nicht schlecht aufgehoben. Man denke nur an ihre bis auf schwindelnde 25 Zentimeter gebrachten berühmten Plateauschuhe, deren Aufwand hinsichtlich dessen, was Schuhe funktional leisten sollen, sicherlich redundant ist. Naomi Campell kam darin zu Fall: Wenn das nicht schon die exzentrischen blauen Krokodillederimitate zum Kunst- und Sammelobjekt werden lässt!

Als „National Museum of Art and Design“ hat sich das Victoria & Albert Museum in London jedenfalls Vivienne Westwoods Produkten angenommen und die Retrospektive konzipiert, die nun im Kultur und Wirtschaft programmatisch verschränkenden Düsseldorfer NRW-Forum gastiert und mit 150 erlesenen Exponaten zeigt, dass Vivienne Westwood Mode durchaus als Mittel der Unterscheidung und nicht der Uniformierung begreift.

Zwischen Prêt-à-porter und Haute Couture, zwischen Punk,…

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