Nachrichtenforum: Aktionen und Projekte · von Jürgen Raap · S. 332
Nachrichtenforum: Aktionen und Projekte ,

Aktionen und Projekte

Anne Imhofs „SEX“ in der Tate Modern gebührt den Antihelden

Anne Imhof präsentierte in den ehemaligen Öltanks-Sektoren der Tate Modern zwischen dem 21. und dem 31. März 2019 ihr neuestes Werk „Sex“. An fünf Perfor-mance-Abenden sowie als Installation tagsüber konzipiert, thematisierte „Sex“ „das Ineinanderübergehen von Gegensätzen und Machtverhältnissen“. 2017 bekam Imhof für ihre mehrstündige Performance „Faust“ den Goldenen Löwen der Biennale von Venedig überreicht; auch die Aufführungen von „Sex“ dauerten jeweils vier Stunden. Die dramaturgische Gesamtstruktur mit Models und Musikern ähnelte jener in „Faust“ – als choreografierte Dura-tional-Performance mit Szenen von Tanz, Bewegung, Gesang und Musik. Anne Imhof mischte sich unter das Publikum und ging durch die beeindruckenden Räume, übermittelte dabei den Akteuren von dort aus Handlungsanweisungen per SMS. Marten Hahn, der Kritiker von „Deutschlandfunk Kultur“ urteilte: „Man rechnet damit, dass man Erotik findet oder auch Nacktheit, aber das fand da überhaupt nicht statt. Sie interessiert sich eher für gewalttätige Aspekte.“ Georg Döcker beurteilte in „nachtkritik. de“ die Performance als „Weihspiel der Anti-Helden“ und notierte als Beobachtung: „Wer dem Handeln der Performer folgen will, lernt schnell ihre Wege von einem Raum zum nächsten zu antizipieren, um in der Menge stets gute Sicht zu haben und Smartphone-Fotos für die Ins-tagram-Sphäre schießen zu können, was die Zuschauer – wie schon bei “Faust” in Venedig – exzessiv tun.“
www.tate.org.uk

Performing Arts Festival Berlin

„Die Vielfalt der freien darstellenden Künste Berlins“ will das PAF-Performaing Arts Festival Berlin „an zahlreichen Bühnen und Spielorten in der gesamten Stadt“ abbilden. In diesem Jahre findet das Festival zum dritten Mal statt, und zwar vom 28. Mai bis zum 2. Juni 2019. Veranstalter ist der LAFT-Landesverband freie darstellende Künste Berlin in Kooperation mit Ballhaus Ost, HAU Hebbel am Ufer, Sophiensaele und Theaterdiscounter. Die Leitung des Festivals hat für die nächsten drei Jahre Sarah Israel übernommen, bislang künstlerische Leiterin des Rodeo Festival München.
www.performingarts-festival.de

Dresden: Poetry & Performance

Bis zum 7. Juli 2019 zeigt der Dresdner Kunstverein riesa efau in seiner Motorenhalle die Ausstellung „Poetry & Performance. Die osteuropäische Perspektive“. In Osteuropa haben Kulturschaffende in Literatur und bildender Kunst in den letzten Jahrzehnten vielfältige Strategien entwickelt, „kommunikative und politischideologische Indienstnahme der Sprache zu reflektieren und zu erforschen. Sie tun dies mit ästhetischen Mitteln, indem sie die materielle und mediale Dimension der Sprache ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken und für sich und ihr Publikum performative Situationen schaffen, in denen Möglichkeiten sprachlicher Äußerung erprobt, durchgespielt und ausagiert werden.“ Die jetzt gezeigten Beiträge stammen aus der Subkultur der sozialistischen Staaten und werden neben zeitgenössischen Positionen präsentiert.
riesa-efau.de

Global National – Kunst zum Rechtspopulismus

Raimar Stange kuratiert eine Ausstellung „GLOBAL NATIONAL – Kunst zum Rechtspopulismus“ im Berliner Haus am Lützowplatz. Die Ausstellung läuft vom 20. März 2019 neun Wochen lang. Dreizehn künstlerische Beiträge reflektieren „Ursachen, Ausprägungen und Auswirkungen“ einer „verheerenden Entwicklung“, durch die Nationalismus und Rassismus in unseren Tagen wieder salonfähig werden. Dagegen möchte die Ausstellung „ein Zeichen setzen für eine tatsächlich offene und multikulturelle Gesellschaft, sie möchte warnen vor dem aktuellen Rechtsruck, sie möchte sensibilisieren für rassistische Denkweisen und Ursachen des Rechtspopulismus ästhetisch analysieren. Ein diskursives Begleitprogramm während der über neun Wochen dauernden Ausstellung mit hochkarätigen Gästen, u. a. dem Soziologen Harald Welzer der Kuratorin Övül Ö. Durmusoglu und dem Ausstellungsmacher Bonaventure Soh Bejeng Ndikung beschäftigt sich außerdem mit Themen wie ,Rassismus im Kunstbetrieb‘“.

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Internationale Photoszene Köln

Mit über 70 Ausstellungen, an denen 200 Künstler beteiligt sind, fi ndet vom 3. bis zum 12. Mai 2019 das Festival Internationale Photoszene Köln statt. Das Programm verteilt sich auf diverse Museen, Kunstvereine, Galerien und Kunsträume. „Neben dem Ausstellungsprojekt ,ArtistMeetsArchive‘, an dem sechs … Kölner Institutionen und Museen beteiligt sind, wird die Internationale Photoszene Köln zum Festival … eine weitere eigene Ausstellung im Kölnischen Stadtmuseum zeigen.“ Ein zweitägiges Symposium, das in Kooperation mit der DGPh und der Kunsthochschule für Medien Köln stattfi ndet, begleitet die Fotopräsentationen. Neu dabei im Programm sind diesmal die Galerie Mirko Mayer / m-projects, Choi & Lager, Bene Taschen, DREI und Falko Alexander.
www.photoszene.de

The Alt-Right Complex

Bis zum 22. September 2019 zeigt der Hartware MedienKunstVerein (HMKV) im „Dortmunder U“ (Level 3) das Ausstellungsprojekt „Der Alt-Right-Komplex“ über Rechtspopulismus und zeichnet dabei „die Entwicklung von einer (Sub-) Kultur der Transgression in Online-Foren wie 4chan bis hin zu Plattformen wie z. B. Breitbart News nach. Alt-Right (kurz für englisch alternative right, deutsch „alternative Rechte“) ist ein politisches Schlagwort zur Bezeichnung von Ideologien am äußersten Rand der politischen Rechten vor allem in den USA. Im Zentrum steht die rassistisch und antisemitisch begründete Annahme, dass die ,Identität der weißen Bevölkerung‘ von der multikulturellen Einwanderungsgesellschaft der USA sowie einer ,politischen Korrektheit‘ und Gesetzen zur Förderung der sozialen Gerechtigkeit bedroht sei und gegen diese verteidigt werden müsse.“ Die Ausstellung umfasst zwölf künstlerische Projekte von Paula Bulling / Anne König, Simon Denny, DISNOVATION.ORG, Vera Drebusch & Florian Egermann, Dominic Gagnon, Szabolcs KissPál, Boris Ondreička, Milo Rau, IIPM – International Institute of Political Murder, Vanja Smiljanić, Jonas Staal, Nick Thurston und UBERMORGEN.
www.hmkv.de

Ruhr-Ding

Vom 4. Mai bis zum 30. Juni 2019 realisiert Urbane Künste Ruhr in Bochum, Dortmund, Essen und Oberhausen das neue Ausstellungsformat Ruhr Ding. Die Veranstaltungsreihe mit 22 Neuproduktionen „fragt nach der Bedeutung territorialer Festschreibungen fü r die Identitä tsbildung. Damit wird im Brexit-Jahr ausgehend von den vielen Stadt- und Bezirksgrenzen im Revier ein Thema von globaler Relevanz verhandelt.“ Das Programm umfasst u. a. Fotografi en „wie die Serien des Straßenfotografen Hans Eijkelboom, Langzeit-Performances unter Einbeziehung eines Hologramms, wie in der Arbeit von Alexandra Pirici in der Kokerei Hansa, ein bulgarischer Nationalpavillon von Ivan Moudov, aber auch Malerei, wie die erste europäische Einzelausstellung der Chicagoer Künstlerin Margot Bergman, die in Kooperation mit dem Museum Folkwang in Essen gezeigt wird. Es gibt Installationen, wie Sam Hopkins Die Dauercamper in Dortmund, Wandmalereien von Stefan Marx und konzeptionelle Versuchsanordnungen, wie das 3-seitige Fußballfeld des Künstlers Roderick Buchanan. Das Spielfeld, das auf einer Idee des Situationisten Asger Jorn basiert, lädt eine buntgemischte ,Liga‘ aus verschiedenen Fünf-Personen Teams regelmäßig zu Turnieren ein.“
www.urbanekuensteruhr.de

Junya Ishigami gestaltet Serpentine Pavillon

In London gehört der Kensington Park unmittelbar neben dem Hyde Park zu den königlichen Parks. Hier ist in einem neoklassizistischen Teehaus-Pavillon aus dem Jahr 1934 die Serpentine Gallery untergebracht, die 1970 von dem Arts Council of Great Britain als Kunstmuseum gegründet wurde. Finanziert wird das Projekt von der britischen Regierung und privaten Sponsoren. Als „Chief Executive“ ist Yana Peel Leiterin und Hans-Ulrich Obrist künstlerischer Direktor. Seit dem Jahr 2000 wird alljährlich für die Sommermonate ein temporärer Pavillon bespielt, zu dessen Entwurf jeweils ein namhafter Architekt oder Künstler beauftragt wird. So waren als Künstler 2007 Olafur Eliassson und 2012 Ai Weiwei an den Entwürfen beteiligt. Für 2019 wurde der japanische Architekt Junya Ishigami (geb. 1974) mit der Gestaltung des Pavillons beauftragt. Er kündigte an, sein Pavillon solle wie ein Felsbrocken wirken, der aus einer Wiese herauswächst und damit auf unsere „Vorstellung von gebauter Umgebung in einer natürlichen Landschaft“ rekurrieren.
www.serpentinegalleries.org

Folkestone Artworks

15 neue Installationen kamen im Frühjahr 2019 hinzu, u. a. von Antony Gormley, Lubaina Himid, Richard Woods und Sol Calero: diese Beiträge sind Teil des Projekts Folkstone Artworks, das derzeit 84 Werke von 44 Künstlern umfasst. Die Arbeiten sind über die gesamte Stadt und den Hafen von Folkestone verteilt und an 365 Tagen im Jahr frei zugänglich. Die jetzt neu präsentierten Arbeiten wurden ursprünglich für die Folkestone Triennale 2017 in Auftrag gegeben.
www.creativefolkestone.org.uk

 

Blickachsen

Vom 26. Mai bis 6. Oktober 2019 sind Bad Homburg und Frankfurt / Main Schauplatz des Skulpturenprojekts „Blickachsen“. Die alle zwei Jahre ausgerichtete Veranstaltung fi ndet nun bereits zum zwölften Mal statt. „Titelgebend für die einzigartige Ausstellungsreihe sind die von Peter Joseph Lenné Mitte des 19. Jahrhunderts in der Gartenarchitektur des Bad Homburger Kurparks angelegten ,Blickachsen‘“. Vor allem im Park von Bad Homburg fi ndet zu den Projekten dann jeweils eine „behutsame Platzierung zeitgenössischer Werke unterschiedlichster Ausprägung in der historischen Umgebung“ statt, um „neue Perspektiven auf die Werke selbst und auf den landschaftlichen und architektonischen Kontext“ darzubieten. Partnermuseum ist in diesem Jahr der schwedische Skulpturenpark Wanås Konst in der Nähe von Kristianstad in Südschweden. Deren Gründer Christian K. Scheffel gestaltet die „Blickkachsen“-Präsentation gemeinsam mit Elisabeth Millqvist und Mattias Givell.
hwww.blickachsen.de

Yves Klein – Blau als Wandfarbe

1957 entwickelte Yves Klein eine spezielle Farbformel, deren Basis aus einem sehr tiefen Ultramarinblau besteht, und die er sich als „IKB-Yves Klein Blue“ patentieren ließ. Die monochrome Malerei mit diesem speziellen Blau wurde in der Kunstwelt rasch zu seinem Markenzeichen. Jetzt hat der französische Farbenfabrikant „Ressource“ zusammen mit dem Yves Klein-Archiv ein solches Blau als Wandfarbe auf den Markt gebracht. Es heißt „Yves Klein® shade“ und hat eine „bestimmte Textur“, die eine spezielle Lichtwirkung hervorruft. Für Maler- und Anstreicherarbeiten empfiehlt der Hersteller einen „zweistufigen Prozess“: im ersten Arbeitsgang wird eine spezielle Grundierung aufgetragen, die das von Yves Klein entwickelte Bindemittel imitiert. Es fixiert die Pigmente, die man dann als zweite Schicht aufträgt, wobei als Endeffekt eine besondere Farbintensität entsteht.

Il Giardino di Daniel Spoerri

Bei Seggiano in der Toskana, 80 km südlich von Siena gelegen, schuf Daniel Spoerri 1997 einen 16 ha großen Skulpturengarten („Il Giardino di Daniel Spoerri). In den folgenden Jahren lud er rund 55 Künstler ein, für diesen Garten Skulpturen zu schaffen und dort auszustellen, auch von ihm selbst sind dort 40 Arbeiten zu sehen. Jedes Jahr wird das Programm abgeändert und erweitert. Der Rundgang dauert ca. 3 Stunden und führt an 112 Skulpturen und Installationen vorbei. Öffentlich zugänglich ist der Skulpturenpark vom 22. April bis zum 31. Oktober 2019. Für die diesjährige Saison wird eine neue Installation von Daniel Spoerri eingeweiht: 1983 inszenierte Spoerri ein Eat Art-Bankett für 100 Personen „Déjeuner sous l’herbe“ im Park Montcel (Jouy en Josas). Nach dem Essen wurde der lange Tisch in einem Graben versenkt und mit Erde zugeschüttet. „27 Jahre später wurde an dieser Stelle vom Institut für präventive archäologische Forschung des französischen Staates (INRAP) ein Teilstück der Festtafel freigelegt. Es handelt sich wohl um die erste archäologische Bergung moderner Kunst. Im Jahr 2016 fand eine zweite Grabung statt und ein weiteres etwas größeres Stück wurde geborgen. Die Reste der Arbeit „Déjeuner sous l’herbe“ sind danach in der Erde verblieben, nun aber nicht mehr zugänglich. Nach der plastischen Abformung der Flächen fertigte die Gießerei „3 V – Fusioni d’Arte“ drei Bronzeabgüsse an. Einer dieser Abgüsse hat nun den Weg“ in den Skulpturengarten gefunden.
www.danielspoerri.org