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Ausstellungen: Berlin · S. 255 - 255
Ausstellungen: Berlin , 1987

Ulrich Bischoff
Anonym & Parataktisch

Zwinger Galerie, 31.10.-21.11.1987

„Anonym und Parataktisch“ ist der Titel einer Ausstellung ohne Künstler, und sieht man genauer hin auch ohne Kunst. Der Ausstellungsort ist die ZWINGER Galerie in der Dresdner Straße – selbst eine Anspielung an das berühmte Haus in Dresden -, eine kleine Ladengalerie ganz in der Nähe des U-Bahnhofes Cottbusser Tor. Hier, auf altem Berliner Siedlungsgelände, wuchert heute eine Betonwüste aus anonymer Architektur, die allein belebt ist durch eine zweifelhafte Großstadtfolklore, bestehend aus Punks, arbeitslosen Jugendlichen und vor allem aus Türken, die hier ihre Sportclubs, Versammlungsstätten und Second-Hand-Shops haben. Insofern bildet der Fußweg von der U-Bahn-Station mit seiner „Sternkarten“-Arbeit von Norbert Radermacher über die Rolltreppe durch das Betontor eines Hochhauses auch den besten Einstieg in die Ausstellung.

Vor der Tür liegt ein mittelgroßer Sandhaufen, dem man in der Galerie in der verkleinerten Gestalt der fotografischen Reproduktion noch einmal begegnet. Überhaupt scheint die Umsetzung von Gegenständen und Bildern aus dem Alltag in Schaustücke zum Ansehen, in Wahrnehmungshülsen, gemeinsames Merkmal der präsentierten Stücke zu sein. Der Kurator oder Impressario dieser Schau. Thomas Wulffen, hat insgesamt elf Objekte ausgesucht, die mit ihrem Verweisungscharakter auf andere Objekte, zumeist auf berühmte Kunstwerke (z.B. Duchamps „Underwood“). Inkunabeln der modernen Kunstgeschichte, die Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst vergegenwärtigen. Ein für den Besucher ausliegendes Beiblatt gibt anhand der ausgestellten Stücke in bewußt protestantisch trockener Kunsthistoriker-Diktion einen Abriß dieser für die Kunst so dramatischen Entwicklung. An ihrem Endpunkt steht das Waren-Logo „A& P“, das ursprünglich aus Amerika entliehen eine den Kontinent umspannende Ladenkette „Atlantic – Pacific“…


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