Gespräche mit Künstlern , 1987

Donald Baechler:

Alles, was ich zu genau kenne, muß ich loswerden.

Ein Gespräch mit Doris von Drathen

DORIS v. DRATHEN: Ihre Arbeiten sind oftmals als eine ‚Malerei nach Warhol‘ bezeichnet worden, tatsächlich aber, so scheint es mir, gibt es wohl wenig Verbindungslinien zwischen Ihnen und Warhol; wie stehen Sie zu ihm?

DONALD BAECHLER: Ich denke, er ist der wichtigste Künstler nach dem zweiten Weltkrieg, weil er von Grund auf das verändert hat, was Malerei sein kann.

DORIS v. DRATHEN: Wann haben Sie seine Bilder zum ersten Mal gesehen?

DONALD BAECHLER: Ich war Putzboy im Museum im Wadsworth Atheneum, Hartford. Während ich dort den Fußboden gewischt habe, habe ich die Warhols angesehen. Auf den ersten Blick sahen die für mich wie ein Joke aus, aber dann haben sie mir bald zu verstehen gegeben, daß sie sehr raffinierte ästhetische Systeme sind.

DORIS v. DRATHEN: Kannten Sie ihn persönlich?

DONALD BAECHLER: Ich kannte Warhol, aber ich hatte nichts mit ihm zu tun. Ich bin kein Parteigänger. Warhol war sehr gesellig. Ich lebe sehr zurückgezogen. Ich hab viel über Malerei gelernt, als ich seine Bilder angeschaut habe – aber von seinem Leben habe ich nichts für mein Leben gelernt. Von seinen Bildern habe ich gelernt, was für ein Künstler ich werden wollte. Ich konnte seine Bilder in mich aufnehmen, ich habe sie lange, als ich im Museum zum Putzen ging, jeden Tag angesehen, immer wieder und viel über Malerei gelernt.

DORIS v. DRATHEN: Und wie halten Sie es nun mit der vieldiskutierten Anonymität? Drängen Sie nun Individualität zurück, oder nicht?

DONALD BAECHLER: Ich glaube,…

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von Doris von Drathen

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