Gespräche mit Künstlern , 1987

Heinz Zolper

Ich kann Leben, Malerei und Magie nicht voneinander trennen

Ein Gespräch mit Jürgen Raap

Große Beachtung fand jüngst Heinz Zolpers Einzelausstellung in der Galerie Michael Hörbuch in Köln: Zitate aus der Kunstgeschichte und aus populärein Illustrationsgut auf farbenfroh-leuchtend angelegten Hintergründen, eulenspiegelhaft vorgetragene Bekenntnisse zum alltäglichen Zeitgeschehen, die aber keineswegs so unbekümmert sind, wie sie dem ersten Anschein nach wirken, und schließlich das Spiel mit den Symbolen aus der Religionsgeschichte: eine Ballerina im Reifröckchen umtanzt ein Kreuz, das nach unten, also zur Hölle weist; Aleister Crowley, der im 19. Jahrhundert als Propagandist der schwarzen Magie auftrat, erscheint im Madonnengewand. „Matholick“ nennt Heinz Zolper seine iko-nologische Synthese aus Magie und Katholizismus. Und dahinter steckt mehr als bloßes Aufarbeiten der atmosphärischen und pädagogischen Einflüsse, denen nicht nur Zolper im katholisch geprägten Köln unterlag. Aber da die Beschäftigung mit allem, was unter das Stich wort „spirituell-esoterisch-übersinnlich“ fällt, derzeit Hochkonjunktur hat (auch die letzte Frankfurter Buchmesse bewies dies), bekommt gerade hier die Kunst die seismografische Funktion zudiktiert, die Gier nach der Überwindung der Lebensängste zukunftsorientiert bildlich umzusetzen.

J.R.: Herr Zolper, „Kunstforum“ hat zum Thema „Realkunst – Realitätskunst“ auch Ihren „Geldboden“ aus dem Jahre 1979 erwähnt. Zehnmarkscheine im Werte von 28.000 DM waren auf dem Fußboden des Stuttgarter Künstlerhauses geklebt. Heute sind Ihre Bilder durch Motive aus der Religion und der Magie bestimmt. Ein Sprung vom Realen zum Irrealen?

H.Z.: Gewiß nicht. Ich habe immer schon versucht. Bilder bzw. Kunst auf ihre magischen Ursprünge zurückzuführen. Alles, was ich gemacht habe, waren immer Beschwörungsgesten. Der Geldboden war realitätsbezogen und magisch…

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