Messen: Madrid · von Uta M. Reindl · S. 362
Messen: Madrid , 2012

Madrid:

ARCOmadrid 2012

15.02.–19.02.2012

von Uta M. Reindl

Die ARCO 2012 war nicht wirklich ein Wunder“, konstatiert schmunzelnd Carlos Urroz, seit zwei Jahren künstlerischer Leiter der Kunstmesse in Spaniens Hauptstadt, und ergänzt: „Es war eher der Fata-Morgana-Effekt, von dem die diesjährige ARCO-Ausgabe getragen wurde.“ Die Negativkritik unter den 215 ARCO-Teilnehmern war im Unterschied zu den Vorjahren ausgesprochen rar, denn viele Galeristen konnten am Ende der viertägigen spanischen Kunstmesse sogar mit einer erstaunlich guten Bilanz schließen. Und das ist fürwahr ein Wunder, waren doch die meisten von ihnen mit äußerst geringen Erwartungen gekommen, angesichts der dramatischen Wirtschaftskrise in Spanien. Es herrschte heitere bis gelassene Stimmung in den Kojen der beiden Kunstmessen-Hallen weit entfernt vom Madrider Zentrum, weit entfernt auch von den landesweiten Demonstrationen gegen die Politik der rechtskonservativen Regierung, auf der besonders in den letzten Messetagen der ARCO die Fetzen flogen. So ganz spurlos ging aber das landgreifende Unwohlsein über den Rechtsruck Spaniens auch an der Madrider Messe nicht vorbei, wenn auch durch die etwas sensationsheischende Arbeit Forever Franco von Eugenio Merino: eine hyperrealistische Polyesterharz-Skulptur des spanischen Diktators im Getränkeautomat mit Sichtfenster. Merino hatte im Übrigen schon im vorletzten Jahr mit der dreistöckigen Installation Stairway to heaven Aufsehen erregt, mit den Vertretern der drei monotheistischen Religionen aufeinander: Auf dem Rücken eines zum Gebet knieenden Moslems steht ein Rabbi, der wiederum einen Priester schultert. Den politisch gut gemeinten Arbeiten des madrilenischen Künstlers ist ein Eventcharakter anhängig, wie es ihn früher auf der ARCO häufiger gab, als die spanische Messe mit allen Mitteln versuchte, zeitgenössische Kunst einem…

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