Magazin: Medien , 1995

Ute Thon

Art Stars Go Hollywood

US-Künstler Robert Longo, David Salle, Cindy Sherman und Julian Schnabel machen jetzt Kino

Wenn in diesem Monat in Deutschland der US-Film „Vernetzt“ startet, wird man wohl den einen oder anderen Kunstkritiker im Kino antreffen. Nicht daß der Science-fiction-Thriller besonders ästhetisch wäre. Es handelt sich um ganz gewöhnliche Hollywood-Ware. Doch der Regisseur ist Robert Longo, einst gefeierter Star der New Yorker Kunstszene und seit neustem Filmemacher.

Als Vorlage diente Longo der Zukunftsroman „Johnny Mnemonic“, ein Bestseller des Cyber-Kultautors William Gibson. Der Film spielt im 21. Jahrhundert, einer Zeit, in der menschliche Datenträger mit eingebauten Mikrochips im Schädel rumlaufen und internationale Konzerne die Welt beherrschen. Der Künstler-Regisseur hat die Geschichte in düsteren Bildern und aufwendigen Action-Szenen mit Starbesetzung (Keanu Reeves, Dolph Lundgren, Barbara Sukowa, Udo Kier, Ice-T) umgesetzt. Das Budget: 20 Millionen Dollar. Finanziert wurde der Film von Tri Star Pictures, einem großen Hollywood-Studio, daß heute zum Sony-Imperium gehört.

Seinen Rollenwechsel vom bildenden Künstler zum Hollywood-Regisseur erklärt Longo so: „Ich habe immer mit vielen Leuten zusammengearbeitet und meine Kunst hatte immer auch viel mit Regie führen zu tun.“ Tatsächlich hat er schon Ende der 80er Jahre für Wave-Bands wie New Order, Golden Palomino und R.E.M. Musikvideos gedreht. Doch „Vernetzt“ ist sein erstes großes Spielfilm-Projekt. „Diesmal wollte ich keinen Art-Film machen, sondern eine Genrestück, und das mit Kunstsinn“, sagt Longo.

Mit dieser Idee steht er nicht alleine da. Auch Künstlerkollege David Salle hat gerade einen Spielfilm abgedreht. Sein schräger Gangsterstreifen „Search & Destroy“ mit John Turturro, Ethan Hawke und Dennis Hopper in den…

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