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Magazin: Publikationen · von Vitus H. Weh · S. 453 - 455
Magazin: Publikationen , 1995

Vitus H. Weh
Die schönsten Szenen aus der Artworld: Videozines

Die Themen von Videozines sind breitgestreut. Für Musik reicht das Spektrum von HipHop (3rd EYEaus Glasgow) bis Death Rock (Propaganda Videozine aus New York). Und auch zur zeitgenössischen Kunst gibt es diese Bänder schon zahlreich. Das neue Publikationsmedium kommt nicht überraschend. Material gibt es im Überfluß: kaum ein Ereignis, das ohne laufende Videokamera stattfindet. Konzerte, Ausstellungen und Performances gleichen hierin den Hochzeiten und Geburtstagsfeiern im Familienkreis. Die Kameras sind handlich und leicht zu bedienen, die Textgeneratoren erschwinglich und der Filmschnitt notfalls auch über den heimischen Videorecorder zu bewerkstelligen. Der finanzielle Aufwand ist minimal – als Cover dienen Farbkopien, bei Bedarf wird das Masterband kopiert. Daß nun gerade auf dem Gebiet zeitgenössischer Kunst ein Gründungsfieber neuer Videozines eingesetzt hat, liegt an mehreren, sich unterstützenden Faktoren.

1) Video kommt einer Kunstauffassung entgegen, die sich zunehmend transitorisch und interventionistisch, das heißt auch weniger werkorientiert versteht. Die erste Blütezeit der aufkommenden Videotechnik fiel nicht zufällig in eins mit der Hochzeit der Studenten- und Bürgerinitiativen, die Film als Dokument und Agitationsmedium nutzten. Damals wurden auch die meisten der bestehenden Videokooperativen gegründet. Heute, da sich Video zum Massenmedium entwickelt hat, liegt das Faszinosum eher in seiner Alltäglichkeit, in der möglich scheinenden Verschränkung von „high and low“, von Kunst und Alltagspraxis – d.h. es liegt auch jenseits von Videokunst-Festivals, die Video traditionell als Gattung behandeln.

2) Daß der Begriff „Kunstwerk“ zunehmend durch die Begriffe „kulturelle Praxis“ und „künstlerische Verfahrensweise“ Konkurrenz bekommt, macht sich auch im Bereich der Vermittlung bemerkbar. Der…


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