Auf der Arche der Solidarität
Gemeinwirtschaft, Zusammenarbeit und experimentelle Ästhetik.
Der großartige Versuch der „documenta fifteen“ steht nun im Schatten eines antisemitischen Mega-Gaus
von Ingo Arend
Das Ende der Kunst. Seit Jahrhunderten streitet die Kunstwelt über diese bevorstehende Zäsur. Für Hegel war es die Wissenschaft, die dem Wahren, Schönen, Guten den Garaus bereiten würde, für Benjamin war es der Verlust der Aura im Zeitalter der Reproduktion, für den konservativen Kunsthistoriker Hans Sedlmayr markierte der Verlust der Mitte ihr Ende. Wirklich eingetreten ist es nie. Sollte jetzt ausgerechnet die documenta, der Olymp der internationalen Kunstwelt nach dem 2. Weltkrieg, zum Schauplatz werden, an dem diese Prophezeiung Wirklichkeit wird?
Für ästhetische Traditionalisten mag die 15. Ausgabe des traditions reichen Unternehmens endgültig den Abgesang einläuten.
Für ästhetische Traditionalisten mag die 15. Ausgabe des traditionsreichen Unternehmens endgültig den Abgesang einläuten. Bazon Brock konstatierte zur Eröffnung die documenta fifteen grimmig das „Ende der Kunst“, sah sie als „triumphales Zeugnis des Beendens der westlichen Idee von Autorität durch Autorschaft“ und verstieg sich angesichts des Siegeszugs der Kollektive zu dem absurden Vorwurf der „Faschisierung“. In der Tat erinnert kaum noch etwas in der gigantischen „Lumbung“-Arena, die das Kuratoren-Kollektiv ruangrupa in Kassel aufgestellt hat, an den herkömmlichen Kunst-Begriff.
Gewiss – Beuys hatte die Richtung für eine Kunst als Soziale Plastik vorgegeben, der auch fast alle der über 1.400 Künstler*innen der documenta fifteen, wie die Schau diesmal gebrandet wurde, folgen: Sein „Büro für direkte Demokratie“ von der documenta 5, 1972 und die legendäre Honigpumpe von der documenta 6, 1977 hätten hervorragend auf die d15 gepasst….
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