Titel: 55. Biennale Venedig · von Heinz-Norbert Jocks · S. 222
Titel: 55. Biennale Venedig , 2013

Frankreich: Anri Sala – Ravel Ravel Unravel
Kommissar: Institut Français
Kuratorin: Christine Macel
Ort: Deutscher Pavillon in den Giardini

Heinz-Norbert Jocks

Das linkshändige Spiel bei Anri Sala

Spätestens mit seinem Beitrag zur Documenta 13 gelang dem1974 im albanischen Tirana geborenen Videokünstler Anri Sala der internationale Durchbruch. Diejenigen, die ihn wegen seiner Filme über die persönlichen Auswirkungen zeitgeschichtlicher Ereignisse schätzten, zeigten sich irritiert, weil er sich plötzlich dem Thema der Zeit auf abstraktere Weise näherte, losgelöst von Individuellem. In der Kasseler Karlsaue sah man eine Uhr auf unübliche Weise. Von weitem betrachtet wirkte der große Zeiger wie verzerrt. Doch bei näherer Betrachtung erwies sich dies als optische Täuschung. Durch das vier Meter hohe, aber nur 2,80 breite verzerrte Zifferblatt bedingt, kam es zu einer Verungleichmäßigung der Zeigergeschwindigkeit. Eine Manipulation der Linearität der mechanisch gemessenen Zeit und damit eine Störung unseres Verständnisses von Zeit kamen dadurch zustande. Jetzt für seine Filminstallation in Venedig ist er noch einen Schritt weitergegangen. Denn mit seinem mehrteiligen Werk „Ravel Ravel Unraved“ im deutschen Pavillon, wo er als ein in Berlin lebender Albaner Frankreich vertritt, provoziert er nicht nur diverse Variationen im Zeitverlauf. Er führt auch vor, wie sich das auf unsere Raumerfahrung auswirkt. Auf diese Weise widmet er sich einem der essentiellen Grundprobleme der Philosophie im Medium der Musik und geht dem nach, wie Raum und Zeit miteinander verflochten sind. Zum ersten Mal betreibt er dafür mit der Hilfe von professionellen Musikern und Tonkünstlern einen riesigen Aufwand, was aber nicht heißt, dass sich die Wirkung dieser subtilen Auseinandersetzung mit der Zeiterfahrung im…



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