Titel: 55. Biennale Venedig , 2013

Spanien: Lara Almarcegui
Kommissar/Kurator: Octavio Zaya
Ort: Pavillon in den Giardini

Was ist ein nationaler Pavillon? Nicht mehr als ein Haufen Bauschutt. So sieht es zumindest Lara Almarcegui, die im spanischen Pavillon eine fiktive Dekonstruktion desselben präsentiert. Den zentralen Raum besetzt ein riesiger Haufen Zementschutt, daneben lagern weitere Haufen aus Sand, Sägespänen, Glasscherben, Stahlstaub, Dachziegeln. Genau die Materialien, aus denen der von Javier de Luque entworfene Bau 1922 konstruiert wurde. Und auch genau die Menge, die man damals verbaut hat.

LARA ALMARCEQUI erkundet seit Jahren den zivilisatorischen Raum unserer Städte. Sie untersucht das Verhältnis von urbaner Regeneration und Verfall, blickt auf Räume des Übergangs, an denen die Ordnung der Stadt auf die Ordnung der Natur stößt. Ihre Spezialität sind periphere Brachgebiete und Architekturen. Als Archäologin der Gegenwart führt sie Feldforschungen durch und geht der Konstruktion von Gebäuden nach, indem sie diese in ihre Grundbausteine und deren jeweiliges Volumen zerlegt.

Dass sie sich nun der Architektur des spanischen Pavillons angenommen hat, verwundert da ein wenig. Steht dieser doch nicht in irgendeinem Randgebiet, sondern an einer Stelle, die sich alle zwei Jahre zum Hotspot der zeitgenössischen Kunst verwandelt (und dazwischen Schauplatz der Architekturbiennale ist). Könnte die symbolische Materialaufhäufung als ironischer Hinweis verstanden werden, dass das Epizentrum „Biennale Venedig“ an Bedeutung verliert, dass andere Biennalen wichtig werden oder dass sich die Kunst in Zukunft generell andere Räume sucht?

Ganz in ihr übliches Arbeitsgebiet passt Almarceguis zweiter Beitrag: eine Feldforschung über Sacca San Mattia, eine Insel nördlich von Murano. Einst als Abfallhalde der Glasindustrie benutzt, ist sie heute eine…


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von Susanne Boecker

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