Heinz Schütz (Hrsg.)
Das Theater der Embleme
Der Vorhang öffnet sich:
»der Schauplatz liget voll Leichen / Bilder /
Cronen / Zepter / Schwerdter etc. Über dem Schauplatz
öffnet sich der Himmel / unter dem Schau-Platz die Helle.
Die Ewigkeit kommet von dem Himmel / und
bleibet auf dem Schau-Platz stehen«
(Andreas Chryphins, Catharina von Georgien)
„Theater der Embleme“ 1 meint die Wiederkehr eines Kunstparadigmas: Das Emblem tritt auf die Bühne, das von der Malerei hinter die Kulissen gedrängte Wort erscheint im Bild.
Der Auftritt vollzieht sich pathetisch, insbesondere das dem Alltagsdiskurs, dem literarischen und wissenschaftlichen Diskurs enthobene Wort schreitet wie auf Kothurnen. Unter dem Höhenblick allerdings wird der Bretterboden zum Abgrund. Wille zur Erhabenheit und konstruktive Erhebung, Camoúflage, Ironie und Zynismus liegen eng beieinander. Die Rampe selbst gerät ins Wanken, nicht jedoch weil der avantgardistische Aufbruch ins Leben sie bedrängte, sondern die „Agonie des Realen“ (Baudrillard) rüttelt an ihr. Der Auftritt des Emblems ist Reprise, d.h. hier Erinnerung und Vergewisserung von Sinn. Sie läßt an Walter Benjamins „Angelus Novus“ denken, nur daß heute ein Sturm, dessen Herkunft ungewiß ist, ihm die Flügel zerzaust – das Paradies allzumal läßt sich nicht mehr als Ort der Versöhnung von Natur und Geschichte denken, sondern nur noch als künstliches Reservat. Der Auftritt des Emblems und allegorischer Verfahren in der Kunst heute erheischt die Frage nach dem Verhältnis zur Tradition. Die Antwort ergibt eine vertrackte Figur: Die Genese der Moderne steht unter antiallegorischen Vorzeichen. Der avantgardistische Werkbegriff wiederum läßt sich durchaus mit dem…
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