Ausstellungen: München , 1986

Heinz Schütz

Delaunay und Deutschland

Staatsgalerie moderner Kunst im Haus der Kunst, München 4.10.1985-6.1.1986

In einem Brief an Delaunay äußert sich Kandinsky zu einem Angebot Delaunays, einen Aufsatz von Erwin von Busse für den Almanach »Der Blaue Reiter« zu übersenden: »Im allgemeinen nehmen wir keine Beiträge von Kritikern, denn im allgemeinen sagen Künstler, auch wenn sie nicht sehr geschickt von Kunst sprechen, lebendige Dinge. Schriftsteller hingegen sprechen von schon kristallisierten Dingen, d.h. sie sehen sie nicht in Bewegung, sondern im Zustand der Ruhe, des ‚Todes‘.« Trotz dieser Bedenken wird der Aufsatz des mit Delaunay befreundeten Kunsthistorikers in den Almanach aufgenommen, der einzige Beitrag – sieht man von dem Nachruf auf Eugen Kahler ab -, der sich mit nur einem Künstler befaßt, mit Delaunay.

Kandinskys im Ausstellungskatalog abgedruckter Brief dokumentiert die Beziehung zwischen dem »Blauen Reiter« und Delaunay, der nicht nur im Almanach vorgestellt wird, sondern bereits vor dessen Erscheinen in der ersten Ausstellung des »Blauen Reiters« die Pariser Avantgarde vertritt. Der Brief besitzt überdies durchaus Aktualität, benennt er doch eine auch heute nur schwer zu überbrückende Kluft: die Kluft zwischen Künstler und jenem, der über Kunst spricht. Den Beleg, wie tief diese Kluft sein kann, liefert die in Münchens Staatsgalerie initiierte Ausstellung »Delaunay und Deutschland«.

Der Leitgedanke der Ausstellung reduziert Kunst – trotz andersartiger Versicherungen im Katalogvorwort – auf kunstimmanente Wirkungsgeschichte: Wer beeinflußt wen? Konkreter: Wer wurde von Delaunay beeinflußt? Derlei kunsthistorischer Reduktionismus, eine fachspezifische Malaise, wird auch nicht durch den Ausstellungsauftakt überwunden. Auf etwa einem Fünftel der Ausstellungsfläche wird der Versuch unternommen, unter dem…

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