Ausstellungen: Stuttgart · von Kathrin Luz · S. 348
Ausstellungen: Stuttgart , 2007

Kathrin Luz

Die Einsamkeit der Zeichen

Kunstmuseum Stuttgart, 4.11.2006 – 25.2.2007

Selten scheint das Thema einer Ausstellung so überfällig wie dieses. Das moderne Zeichen ist offenbar schon so sehr Alltag geworden, dass seine Macht unsere Wahrnehmung stetig unterläuft. Dabei korrespondieren die verschiedensten Phänomene unserer sozialen Realität mit seiner Entwicklung: Als Straßenschild bestimmt und regelt es das mobile, zum Teil motorisierte Miteinander, als Orientierungsleitsystem an Flughäfen und Bahnhöfen macht es die Schnittpunkte des globalen Personentransfers überhaupt erst funktionabel, als politisches Emblem subsumiert es ganze ideologische Weltkonstrukte, als Markenlogo manipuliert es unser Kaufverhalten, und als Herzchen und Smily “ versüßt“ es den emotionalen Umgang, den Transfer der Gefühle.

Aus all dem spricht offenbar das Bedürfnis, wenn nicht die Sehnsucht nach einer Universalsprache, einer Sprache aller Sprachen, die die Bildungshorizonte und Klassenherkunft, die Landessprachen und -dialekte ebenso wie die Diskrepanz zwischen gefühlter und gesagter Botschaft überwindet. Die großen Zeichenproduzenten der Kunstgeschichte wie beispielsweise Wassily Kandinsky haben diesen Wunsch nach einer Weltsprache der Zeichen denn auch entschieden artikuliert: Er wolle, so sagte er 1904, mit der Kunst eine Universalsprache schaffen, die wirksamer sei als Esperanto. Er selbst lotete in der reduzierten Stilisierung und gestrafften Abstraktion des Motivs von Pferd und Reiter – hin in Richtung Signet – die Grenzen der Identifizierbarkeit von Zeichen und Bezeichneten aus – immer auf der Suche nach musikalischen Strukturen im Bild.

“ Das Zeichen enthält gleichzeitig die Elemente zur späteren Schrift und zum Bild. Es ist die erste und vielleicht reinste Position des Optisch-Visuellen,“ stellte bereits Willi Baumeister…

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