Ausstellungen: Köln , 1996

Jürgen Kisters

Don van Vliet

Galerie Michael Werner, Köln, 22.6. – 27.7.1996

Was haben David Bowie, Bob Dylan, Wolfgang Niedecken, Joni Mitchell, Herman Brood und Don van Vliet gemeinsam? Sie alle sind Rockmusiker, und sie alle schwingen auch den Pinsel, und das mit zum Teil beachtlichem Talent. Keiner von ihnen erreicht in der Kunst mit den Farben allerdings eine so einsame Klasse wie Don van Vliet, dessen Bilder aus den siebziger und achtziger Jahren zum wiederholten Male in der Galerie Werner ausgestellt waren.

Einst, als man ihn noch Captain Beefheart nannte, sagte van Vliet über einen Musikerkollegen: „Das Elend mit Zappa ist, er arbeitet, und ich spiele.“ Wie es für die Musik gemeint war, ist es auch mit seiner Malerei. Wo andere Maler arbeiten, läßt van Vliet den Pinsel spielen. Wo andere unbedingt eine bestimmte Komposition umsetzen wollen, wartet van Vliet darauf, was sich entwickelt, ohne übermäßige Absicht und ohne Verkrampfung. Das scheint sein Geheimnis zu sein. „Ich kann einfach nicht so ernst sein wie alle Welt“, sagte Captain Beefheart van Vliet einmal. Und er sagte: „Ich möchte so spontan malen wie ein Esel seinen Schwanz bewegt, direkt aus dem Kopf in die Hand, ohne allzuviel Vermittlung des Auges.“ Manchmal zieht van Vliet es sogar vor, im Dunkeln zu malen.

So gestaltet van Vliet seine ungelenken Menschenfiguren und rätselhaften Tierwesen zumeist direkt auf der (ungrundierten) Leinwand. Wie im Traum ziehen sie vorüber, voll expressiver Gestik und mit aufrichtiger Naivität, zwischen Kinderzeichnung und Art Brut, und ohne jeden bewußten Anspruch, in eine kunsthistorische Reihenbildung einzutreten. Ähnlich…

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von Jürgen Kisters

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