Titel: Documenta IX , 1992

Ein Rundgang: Neue Galerie
Kommentiert von Jan Hoet, Fotos: Dieter Schwerdtle

Und plötzlich stößt man auf ein Scheunentor. Haim Steinbach versperrt den Weg. Durch eine Klappe sieht man die inzwischen ins Museum aufgenommenen Werke einer vergangenen documenta: von Mario Merz und Georg Baselitz. Es ist gleichzeitig eine Erinnerung an Marcel Duchamps Arbeit aus Philadelphia, „Etant donné“, die man auch nur quasi durch ein Schlüsselloch sieht. Dieser Blick durch die kleine Fensteröffnung legt den Voyeur im Museumsbesucher offen. Steinbachs zweite Arbeit macht die Trennung deutlich hier ist die Innenwelt des Museums und da ist die Außenwelt. Die Präsentation im Innenraum ist mit dem Außenraum verbunden: Adler von Baselitz und eine Installation aus Schiefertafeln und Reisig von Merz. Sogar der Teppich ist moosfarben. Die Präsentation im Museum ist abgeschlossen, die „Ernte eingefahren“, deshalb schließt Steinbach den Raum mit einem Scheunentor. Die gespeicherten Kostbarkeiten sind konserviert und bleiben so frisch – das Tor läßt die Arbeit, die dahinter steckt, spürbar werden. Dabei sieht es so natürlich aus, als ob es immer da gewesen sei.

Kazuo Katase zeigt das Museum als ein Modell der Gesellschaft am Beispiel des zerstörten Höllensturzes von Rubens aus der Münchener Pinakothek. In seinem Raum steht das zerstörte Bild diagonal, es wird weggetragen. Der Raum ist rot angestrichen, aber blau beleuchtet. Er verweist auf die Verletzlichkeit der Kunst: nach der Schließung des Museums sind die Bilder allein, die Kunst hört auf. In diesem Fall aber nicht: der Attentäter hatte sich im Museum einschließen lassen und hat das Bild nachts zerstört. Draußen hat…

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