Ausstellungen: Frankfurt a.M. · von Christian Huther · S. 345
Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 2008

Christian Huther

Ernst Ludwig Kirchner und die Kunst Kameruns

Museum der Weltkulturen/Galerie 37, Frankfurt/Main, 14.6.-9.11.2008

Im Westen räkelten sich nackte Modelle auf dem Hocker, in Afrika durften sich nur Herrscher darauf niederlassen. Der im 19. Jahrhundert im Kameruner Grasland geschnitzte Holzschemel hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Lange galt er als Werk des Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner, begleitete ihn doch der Hocker von etwa 1910 an bis zu seinem Freitod 1938. Aber Materialuntersuchungen sprachen ebenso wie einige typische Formen zweifelsfrei für die Herkunft aus Kamerun. Vermutlich hat ihn der Bruder des „Brücke“-Kollegen Erich Heckel von seiner Tätigkeit als Ingenieur in Deutsch-Ostafrika als Geschenk mitgebracht.

Für die sehr markante, so genannte primitive Kunst, damals auch als „Negerplastik“ bezeichnet, interessierten sich bekanntlich die Avantgardisten um und nach 1900. Auch Kirchners Hocker fällt ins Auge mit dem fleckig bemalten Leoparden, der eine runde Sitzfläche trägt. Anfangs tauchte der Hocker oft in Gemälden und Skizzen Kirchners auf, später spielte er keine große Rolle mehr und landete nach Kirchners Tod im Bündner Kunstmuseum in Chur. Jetzt rückt ihn das Frankfurter Museum der Weltkulturen in den Mittelpunkt einer kleinen, feinen Ausstellung, die von Lucius Grisebach ursprünglich für das Züricher Museum Rietberg konzipiert wurde, dort aber als Anhängsel einer umfangreichen Schwarzafrika-Schau etwas unterging.

In Frankfurt jedoch gelingt eine Gegenüberstellung von 16 Zeichnungen, Holzschnitten und Skulpturen Kirchners mit einer fast gleich großen Zahl von Kunstwerken aus Kamerun. Freilich dürfte dem Betrachter die Unterscheidung zwischen afrikanischen und expressionistischen Skulpturen nicht leicht fallen. Nur die Texttafeln geben letzte Sicherheit über den Urheber des Werkes. So…

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