Biennalen: Folkestone Triennial · von Edgar Schmitz · S. 394
Biennalen: Folkestone Triennial , 2008

Edgar Schmitz

Folkestone Triennial 2008

»Tales of Time and Space«

Verschiedene Orte in Folkestone, 14.06.08-14.09.08

Folkestone ist einer jener merkwürdigen britischen Küstenorte, die sich nur im Aneinanderreihen ganz unterschiedlicher Klischees beschreiben lassen: als Zusammenkommen einer mittelmäßig behaglichen Rentneridylle mit den verlassenen Überresten eines vor noch gar nicht so langer Zeit wichtigen Fährhafens, der durch den Eurotunnel überflüssig geworden ist und von dessen Bedeutung und Volumen nur noch überprominente Brachflächen und verwahrloste, viel zu große Hotels zeugen; als tiefste englische Provinz mit massiven Weltberührungsängsten und Immigrationsspannungen; als fast hübscher Stadtkern mit (noch) auffallend wenigen internationalen Ketten und Reihen meditativer Parkbänke mit Blick auf das Meer, auf dem sich wirklich gar nichts mehr tut und das doch als Ziel von hier aus so wichtig war. Vor dieser Art Hintergrund ist Folkestone jetzt Ort noch einer Triennale, deren Premiere von Andrea Schlieker hier mit hochkarätiger Künstlerliste kuratiert wurde: britische Prominenz und ein paar eingeladene internationale Künstler bespielen mit durchgehend neuen Arbeiten hauptsächlich den (nach-)öffentlichen Raum. Nathan Coley benennt mit seiner Leuchtschrift Heaven Is A Place Where Nothing Ever Happens (2008) über den Dächern des Ortes ausdrücklich, was dabei als (wenn auch ironischer) Konsens zu halten scheint: eigentlich passiere hier nichts (mehr), und wenn der Himmel wirklich jener Ort sein sollte, an dem nichts mehr passiert, liegt Folkestone ziemlich nah daran und ist damit aber auch völlig nichtssagend. Was vom Ort als Vorgabe für die Triennale bleibt sind dementsprechend vor allem historische Spuren, mentalitätsgeschichtliche Reststücke, die Christian Boltanski aus verlesenen Korrespondenzen her- vorbeschwört und Mark Wallinger als Denkmal…

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