Biennalen: Manifesta · von Uta M. Reindl · S. 386
Biennalen: Manifesta , 2008

Uta M. Reindl

Manifesta7

Trentino Alto Adige/ Südtirol: Franzensfeste – Bozen – Trient und Rovereto (Italien), 17. 7 – 2.11.2008

Auf ihrer paneuropäischen Wanderung ist die Manifesta nun in den Alpen angekommen. In der norditalienischen Region Trentino/Südtirol, um dort Ihrer Gründungsphilosophie getreu ein weiteres Stück Europa in seiner psychischen und geografischen Eigenheit zu erschließen. Vier Orte bespielt die siebte Ausgabe der Manifesta auf diesem zentralen Terrain des alten und natürlich des neuen Europas. Sie „manifestiert“ schließlich junge Kunst und heißt nicht documenta. Und wieder inszeniert sich die nomadisierende Mammutschau durch multiple Autorenschaft, wobei gleich mehrere Kuratorenteams verantwortlich zeichnen – und dies mit einer sehr speziellen Pointe.

In Trient präsentiert das Kuratoren-Duo Hilag Peleg und Anselm Franke im „Palazzo delle Poste“, dem ehemaligen Postamt der Stadt, Werke über die Seele. Es ist die am „stärksten kuratierte“ Ausstellung, wie Yilmaz Dziewior (Direktor des Kunstvereins In Hamburg) auf den Presse-Previews feststellt. Entsprechend wird der Parcours, der nach Sergei Eisenstein den Untertitel „Viel Ärger beim Transport von Seelen“ trägt, durch den architektonisch wie historisch aufgeladenen Spielort streng geführt. Das labyrinthisch anmutende, im italienischen Faschismus erbaute Haus befindet sich im Zentrum Trients. Und in Trient fand vor 500 Jahren das im Katholizismus bedeutsame Konzil statt, auf dem die katholische Welt die Reformation mit der Ausweitung der Beichte konterte. Die Beichte vor der Kamera war denn auch an dieser Spielstätte der Manifesta7 omnipräsent: die skurril-politischen Statements von Tamy Ben-Tor oder die manieristischen Geständnisse in Roee Rosens Filmen etwa. Eine Wohltat unter den zahlreichen Videobeiträgen ist daher die rhythmisierte High-Tech-Revue über…

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