Ausstellungen: Berlin , 2012

Michael Nungesser

Found in Translation

Deutsche Guggenheim, Berlin, 28.1. – 9.4.2012

Wer zeitgenössische Kunst verstehen will, sollte des Englischen mächtig sein. Diese These vertritt indirekt die Ausstellung „Found in Translation” der Deutschen Guggenheim.

Ihr Titel ist englisch, was inzwischen – nicht nur in Deutschland – weit verbreitet ist, und meist weder inhaltlich begründet ist noch übersetzt wird. Es verheißt Weltläufigkeit, ist wohl aber eher der Kunstmarktaffinität geschuldet. Englisch ist die Sprache des Kapitals. Dass aber gute bis ausgezeichnete Englischkenntnisse wesentliche Voraussetzung zum Verständnis der genannten Ausstellung bilden, mutet merkwürdig an, das sie sich explizit mit Übersetzung beschäftigt, die „- im sprachlichen wie übertragenen Sinn – ein elementares Werkzeug für unser Verständnis der Wirklichkeit” in einer globalisierten Welt darstelle. Ausgewählt wurden neun in der Tradition der Konzeptkunst stehende, meist US-amerikanische Künstler.

Wie unterschiedlich Übersetzungen ausfallen können, demonstriert Alejandro Cesarco (*1975 Montevideo, lebt in New York) an einem klassischen Beispiel. Er stellt in der zehnteiligen Fotoserie „Dante/Calvino” mehrere aus unterschiedlichen Zeiten stammende (englische) Übersetzungen des Beginns von Dantes „Inferno” (entstanden Anfang des 14. Jahrhunderts) dem Original gegenüber. Diese zeitbedingten Auslegungen, gleichsam „Paralleluniversen”, bilden eine erste Ebene, ergänzt um eine zweite, die die Idee eigenschöpferischer Rezeption weiterspinnt: Jeder von ihnen ist eine Kapitelüberschrift von Italo Calvinos Romans „Se una notte d’iverno viaggiatore (Wenn ein Reisender in einer Winternacht)” von 1979 zugeordnet, an dem der Leser gleichsam zur Mitarbeit aufgefordert wird.

Auch Lisa Oppenheim (*1975 New York, lebt dort) setzt sich in ihrer Filminstallation „Cathay” (der alte Begriff für China), mit Literatur auseinander. Bei ihr geht es um ein…

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von Michael Nungesser

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