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Ausstellungen: Württemberg · S. 289 - 290
Ausstellungen: Württemberg , 1986

Anne Krauter
Gilberto Zorio

Württembergischer Kunstverein 6.11.-8.12.1985
Centre d’art contemporain Genève
Van Abbe Museum Eindhoven

Die Ausstellung Gilberto Zorios im Württembergischen Kunstverein ist mehr als die Summe der Exponate aus den Jahren 1966 bis 1985. Ein Netz aus Kabeln, Drähten und Metallstäben verspannt den Raum; brennende Lampen, Zementklötze, Tiegel und flache Wannen bilden Knotenpunkte dieser retrospektiven Installation, denn die konsequente Verwendung über Jahre nur geringfügig veränderter Materialien verschafft ihr ein einheitliches Bild.

Zum künstlerischen Umkreis des einundvierzigjährigen Italieners gehören unter anderem Guiseppe Penone, Giulio Paolini und Mario Merz. Es sind jene Künstler, die Germano Celant Ende der sechziger Jahre mit der Bezeichnung »arte povera« zusammenfaßt. Diese »armen« Materialien, wie sie Gilberto Zorio verwendet, sind lapidar und verschlüsselt zugleich. Ihre Symbolik bildet ein in sich geschlossenes Zeichensystem aus elementaren Zuständen und Bedingungen des kargen Vokabulars, dessen Reduktion eine Vielschichtigkeit der Inhalte erlaubt. Auf diese Weise werden hermetische Kunsträume durchlässig, ohne daß sie Zorio nachweisbar verläßt, und Assoziationen, etwa zur Alchemie, zur Geschichte, zur Politik und zum Alltag möglich: »Das Bewußtsein kommt nicht umhin, das Fluide ständig zu radikalisieren.« Solcher Konsequenz war das breite Publikum in den vergangenen Jahren offenbar nicht gewachsen, denn Zorio führt bislang im Vergleich zu seinen Kollegen Pistoletto oder Merz ein eher unbeachtetes Dasein, obwohl seine Biographie wichtige Gruppenausstellungen und Einzelpräsentationen aufweist. Höchste Zeit also, daß die Arbeit Zorios in umfassender Weise zu sehen ist.

Dank ihrer suggestiven Kraft strahlen die Objekte in der Stuttgarter Ausstellung nachhaltig die ihnen eigene Aggression aus, die sich in immer neuer Form dem Besucher offenbart. Einige…


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