Ausstellungen: Berlin , 2011

Peter Funken

Gute Nachbarschaft?

»Deutsche Motive in polnischer Gegenwartskunst – polnische Motive in deutscher Gegenwartskunst«

Kunstraum Kreuzberg / Bethanien, Berlin, 25.9. – 23.10.2011

Während im Martin-Gropius-Bau mit der Ausstellung „Tür an Tür / Polen – Deutschland 1000 Jahre Kunst und Geschichte“ die Kunst aus unserem östlichen Nachbarland im ganz großen Stil vorstellt wird, ist im Kunstraum Kreuzberg / Bethanien eine Parallelausstellung zu sehen, sozusagen die „kleine Schwester“ des von Anda Rottenberg kuratierten Jahrhundertsprojekts. Die mit „Gute Nachbarschaft?“ betitelte Show im Bethanien handelt von der gegenseitigen Wahrnehmung der beiden Nationen anhand von 30 teilnehmenden KünstlerInnen aus Polen und Deutschland. Die chronologisch inszenierte Ausstellung im Gropius-Bau hat natürlich auch die tragische, von den Nazis über Polen gebrachte Katastrophe des 2. Weltkriegs zum Thema, sie handelt im letzten Abschnitt von der mutigen Selbstbefreiung der Polen nach 1983 und schließt mit Gregor Schneiders Skulptur eines begehbaren Eisschranks, der wie ein moderner Tötungsapparat erscheint. Schneiders Arbeit hätte durchaus in die Ausstellung im Bethanien gepasst, denn „Gute Nachbarschaft?“ verlängert das Thema polnisch-deutscher Geschichte bis in die Jetztzeit und beschreibt vor allem ein nachbarschaftliches Verhältnis, das nach wie vor kompliziert ist, selbst wenn die Beziehungen mittlerweile zivilisierter geworden sind. In diesem Kontext meint Magda Ziomek, Kuratorin von „Gute Nachbarschaft?“: „Obwohl die geografische Lage Polens und Deutschlands für Nähe und freundschaftliche Beziehungen vorteilhaft ist, sind die beiden Länder in Wirklichkeit einander fremd.“ Beim Anblick der Ausstellung kann man dieser Feststellung kaum widersprechen. Ein guter Teil der gezeigten Arbeiten, vor allem die polnischen, sind ironische Kommentare zu Ereignissen, die vor über fünfzig Jahren…

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