Gespräche mit Kunstvermittlern , 2008

Rein Wolfs

Ich liebe offene Strukturen

Ein Gespräch von Dirk Schwarze mit Rein Wolfs, dem neuen Leiter der Kunsthalle Fridericianum in Kassel

Herr Wolfs, wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Wolfs: Ich habe erst fünf Jahre lang niederländische Literatur studiert. Doch dann hat es mich immer stärker in Richtung Kunst gezogen. Ich empfand damals Literaturgeschichte als zu buchhalterisch. Es war wie ein Verwalten von Literatur – mit Strukturanalysen, aber nicht so viel, dass man sich wirklich mit dem Werk inhaltlich auseinandersetzen konnte. Daher hat mich die Beschäftigung mit Kunst gereizt, weil die Kunstwissenschaft viel freier war. Sie erschien mir fast ‚naiver’ und in gewisser Weise abenteuerlich, weil man sich freier mit den Inhalten beschäftigte. Das hat sich vielleicht in der Zwischenzeit geändert, aber damals war das so.

Geschah das plötzlich?

Ich war schon immer an Kunst interessiert. Der Knackpunkt war für mich eine Begegnung mit einer Arbeit von Bruce Nauman in einer großen Skulpturen-Ausstellung. Da habe ich gedacht: Ich möchte zu dem Rätsel, das da drin steckt, mehr wissen. Diese Rätselhaftigkeit finde ich eine der wichtigsten Eigenschaften der bildenden Kunst und viel prägnanter als in der Literatur. In der Literatur benutzen wir die Sprache, die alle gebrauchen, es sind Worte, die jeder benutzt. Aber in der Kunst sind wir ein Stück weg vom Wort.

Was war das für eine Arbeit von Bruce Nauman?

Das war ein Kreis aus Cortenstahl in einer Ausstellung in Middelheim. Die Arbeit hat mich irgendwie berührt, ohne dass ich erklären konnte, warum. Das ist so etwas Unverständliches und Direktes gewesen, dass ich gedacht habe,…

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von Dirk Schwarze

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