Magazin: Messen & Märkte , 1989

Impulse gesucht

Rückblick und Vorschau: Die Leiden der „Art Cologne“
von Karlheinz Schmid

Symptomatisch, was die Sonderschau der „Art Cologne“ – Preisträgerin Ileana Sonnabend zeigte: Kunst der sechziger und siebziger Jahre, kühl, klar und souverän wie die Präsentation der Stücke, darunter Arbeiten von Kounellis, Merz, Morris, Nauman und Sonnier. Da gibt’s keinen Grund zur Kritik, da ist Bewunderung angesagt. Applaus für Frau Sonnabend. Eine Etage höher, ebenfalls in den Rheinhallen der KölnMesse, erzeugten 165 Galeristen aus 17 Ländern eine Anmutung, die nicht weniger museal wirkte. Vorbei die Zeit, als auf dem Kunstmarkt in Köln informiert und diskutiert, gelärmt und gesoffen wurde. Die Messe, einst ein Ort des kreativen Aufbruchs und des kollektiven Absturzes, hat den Charme einer Kreditabteilung, die Ordnung eines Feinkostladens.

So fehlen freilich auch die Sonderangebote, die Restposten, wie wir sie aus dem früheren Supermarkt der Kunst kennen. Gehandelt wurde vor allem, was teuer ist, denn die hohen Kosten einer Messeteilnahme wollen sich nur mit hochkarätiger Ware einspielen lassen. Wenig Platz für ganz junge Kunst, keine Zeit für Gespräche über 3000-Mark-Bilder. Zwangsläufig steuert Köln, wie andere Messeplätze in Europa und Amerika, mit Schlagseite in die neunziger Jahre: Die „Art Cologne“ befindet sich in der Gefahr, nur noch für Kapitalanleger interessant zu sein.

Dieser Entwicklung kam diesmal eine Benefiz-Veranstaltung zur Eröffnung der siebentägigen Messe entgegen, der schon nach kurzer Zeit die Puste fehlte: Ein Schlückchen Kölsch, ein Häppchen Wurst – 75 Minuten nach der Scheckübergabe löste sich die feine Vernissagen-Gesellschaft auf, pro Person um allemal 100 Mark ärmer. Immerhin brachte die vom…

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