Ausstellungen: Köln , 1995

Jürgen Raap

Jiri Georg Dokoupil

»Recycling Gerard Kever«

Maximilian Krips Galerie, Köln, 8.9. – 21.10.1995

Wenn ein Künstler Original-Arbeiten eines anderen benutzt und sie gar bis zur Unkenntlichkeit überarbeitet, gilt dies gemeinhin als Tabuverletzung. Mangelnde Ehrfurcht vor dem Werk bzw. dem Persönlichkeitsausdruck des Kollegen wird ihm dann vorgeworfen, oft auch Verletzung des Urheberrechts. Bei Gerard Kever und Jiri Georg Dokoupil liegt der Fall jedoch anders: Beide, Anfang der achtziger Jahre Mitglieder der jung-wilden Gruppe „Mülheimer Freiheit“, nutzten im vergangenen Jahr für kurze Zeit gemeinsam ein improvisiertes Dachbodenatelier in Köln. Kever schuf dort Aquarelle, und jene, die er nicht für gut befand, zerriß er. Dokoupil griff die weggeworfenen größeren Fragmente und kleineren Fetzen als Ausgangsmaterial für eine Collagen- und Assemblagenserie auf – mit Kevers Einverständnis, der auch nichts gegen den Ausstellungstitel „Recycling…“ hatte.

Es wird somit demonstriert, daß in künstlerischen Produktionsprozessen nicht nur das jeweilige Material und seine technische Behandlung unterschiedlichen individuellen Bewertungen unterliegt, sondern gerade auch die daraus folgenden formalästhetischen Zwischen- oder Endergebnisse dieser Prozesse. In der Selbstkritik und kollegialen Kritik, mag sie jeweils negativ oder positiv ausfallen, nehmen die Künstler jegliches, ob zustimmendes oder ablehnendes Urteil des Kunstkritikers vorweg. Vor allem durch Dokoupils Eingriff wären hier spätere Objektivierungsversuche auf der Vermittlerebene somit noch schwieriger als ohnehin schon im kritischen Diskurs über Kunst im allgemeinen und in speziellen Fällen. In der Kunstgeschichte plagten sich Maler bekanntlich oft zunächst mit Selbst-zweifeln über Arbeiten ab, die später hochgelobt wurden. Doch Kevers Entscheidung, diese Aquarelle seien für sich genommen nicht tauglich und gehörten in den Papierkorb, könnte von…

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