Ausstellungen: Arnsberg , 1995

Uta M. Reindl

Nina Hoffmann

Kunstverein Arnsberg, 10.9. – 5.10.1995

Der von Wissenschaftlern malträtierten Kreatur widmet Nina Hoffmann wesentlich ihre Kunst. Ein fürwahr brisantes Sujet in unserem Jahrhundert! Kinder und Tiere stehen im Mittelpunkt der künstlerischen Auseinandersetzung, und in Arnsberg fokussiert die in Berlin lebende Künstlerin (Jahrgang 48) ihre Arbeiten auf das Tier als Opfer des Menschen.

In einem verdunkelten Raum unter drei Ultra-Violett-Röhren sind dort jeweils drei überdimensionierte Mäuse aus weißem Marmor installiert, und es entstehen unweigerlich Assoziationen mit wissenschaftlichen Laboratorien, zumal der Betrachter selbst durch das Licht am eigenen Leibe Veränderungen erfährt, somit sich ungewollt quasi als Forschungsobjekt empfindet.

Die deformierte Maus taucht wieder in Gemälden auf – ein Überzüchtung zwischen Maus und Ratte in einer flächigen, bildbeherrschenden sowie stilisierten Darstellung. Im Triptychon bewegen sich mehrere dieser unförmigen Nagetiere auf Leitern auf oder ab, den überlangen Schwanz hinter sich herziehend. Die Leitern enden oft in der Luft, sind gekrümmt, meist dysfunktional. Der weiße Bildgrund jener großformatigen Tableaux wird von zahllosen Bleistift-Kreuzchen übersäht, deren Repetition Hoffmann in Notizen zu ihrer Kunst als „gleichförmige Wiederholung“ beziehungsweise „Gebetsformel“ bezeichnet. Im anderen Gemälde bewegen sich zwei dieser Mauswesen frei auf der Fläche, ihr mächtiger Körper ist aus medizinischen Fliesstücken collagiert.

Im Unterschied zu anderen Ausstellungskonstellationen (Kunstverein Bonn, 1994) präsentiert Nina Hoffmann in Arnsberg ihre grell gelben Pappmaché-Wesen zwischen Nasentier und Hund als Krüppel, deren abgeknickte Beine haben sie ihres Bewegungs- und Stehvermögens beraubt. Zwölf von ihnen liegen in einem Gitter-Container dicht übereinander gestapelt, wie Kadaver eingepfercht.

Direkt im Eingang der Ausstellung wird der Besucher von zehn, auf einem Tisch…

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von Uta M. Reindl

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