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Ausstellungen: New York · S. 301 - 301
Ausstellungen: New York , 1989

Marius Babias
Julia Kidd

Anne Plumb Gallery, 15.10.-12.11.88

Seit Julia Kidd vor einigen Jahren nach New York kam (in Los Angeles studierte sie, wie Barbara Bloom und Ashley Bickerton, bei Barbara Kruger Cal Arts), stellte sie wiederholt in der Selbsthilfegalerie White Columns aus (Jeff Koons hatte hier seine erste große Show) und hat nun den Sprung nach SoHo geschafft.

Um es kurz zu sagen: Julia Kidds multimediale Soziogramme handeln davon, daß Amerikas Vormachtstellung, politisch und vor allem kulturell, letztlich auf Zynismus beruht. Ihre Wandarbeiten, die fotografische, skulpturale und malerische Verfahren implizieren, führen einerseits Anklage, empirischen Studien über die sozio-darwinistische und scheinbar nur am Erfolg orientierte amerikanische Gesellschaft vergleichbar, und sind andererseits doch nur Ausdruck davon bzw. Produkt dieses (europäisch gehegten) Klischees.

Die dreiteilige „Adams-Serie“ gibt hinreichende Indizien vor; der amerikanische Scherzartikelhersteller „Adams – Franks Magie since 1906“ (zum Repertoire gehören Spaßigkeiten wie der Plastik-Eiswürfel mit eingebauter Schmeißfliege), dessen Verpackung abfotografiert, vergrößert und zum Bildrahmen instrumentalisiert wird, fungiert als zynischer Index der realen Kehrseite amerikanischer Aufgeschlossenheit kommunikativen Fragen und Umgangsformen gegenüber. (Der Spaß hört eben dann auf, wenn er einseitig, Spott und Hohn wird.) Um die Gefährlichkeit des Spaßes, sein Gefalle zugunsten der Verspottung, vorzuführen, meistens besteht da kein struktureller, sondern nur ein gradueller Unterschied, wendet Julia Kidd einen simplen Kunstgriff an: Sie nimmt den Witz wörtlich, dreht ihn semantisch um, demoralisiert und demaskiert seine Aggressivität. „Disappearing Ink“ (Tinte, die man schadenfroh auf Kleidungsstücke etc. verspritzt, die aber nach einiger Zeit von selbst verschwindet) wird wörtlich visuell übersetzt: durch das Foto eines blutüberstömten Mannes (aus…


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