Gespräche mit Kunstvermittlern · von Heinz-Norbert Jocks · S. 411
Gespräche mit Kunstvermittlern , 1995

»Kein Mensch regt sich mehr auf, herrscht doch im Museum eh Narrenfreiheit«

Heinz-Norbert Jocks sprach mit Gerhard Finckh anlässlich der Ausstellung »Positionen – Beobachtungen zum Stand der Malerei in den 90er Jahren« im Museum Folkwang Essen

Daß der pluralen Gesellschaft eine stilistische Vielfalt entspreche, behauptet Gerhard Finckh, der Ausstellungsleiter am Museum Folkwang Essen. Darüber reflektierend, warum Maler heute keine Trendsetter mehr sind, erinnert er daran, daß die Zeit des hohen Anspruchs, „die gesamte Gesellschaft zu verändern“, vorbei ist. Daraus ergeben sich für ihn Konsequenzen, über die Heinz-Norbert Jocks mit ihm sprach.

*

H.-N. J.: Was veranlaßte Sie dazu, die Ausstellung „Positionen – Beobachtungen zum Stand der Malerei in den 90er Jahren“ zu konzipieren?

G. F.: Im Moment drängen sich alle anderen Medien so wahnsinnig in den Vordergrund. Es gibt die multimediale Computeranimation, überaus komplizierte Video-Geschichten, die Body- und Kontext-Art. Man wird mit so viel Neuem beschossen. Jeden Tag landet ein Riesenberg mit Hinweisen, Einladungen und Katalogen auf meinem Schreibtisch. Die Malerei tritt dabei zurück, vergleicht man einmal die heutige mit der Situation in den 80ern. Als alle Welt von den Jungen Wilden sprach, da war Malerei noch sehr gefragt, und plötzlich kippte das um und die Malerei verlor an Bedeutung. Deswegen wollte ich wissen, was da los ist. Ist das das Ende der Malerei, von dem immer geredet wird, oder geht es doch noch weiter?

Wie erklären Sie sich das mit dem Ende der Malerei?

Zunächst einmal ist vor Jahren der Markt zusammengebrochen. Zum einen stieß der Preisauftrieb innerhalb von wenigen Wochen auf Grenzen. Zum anderen…

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