Monografie , 2018

Ketuta Alexi-Meskhishvili

Das Fenster, ein Bild

von Jens Asthoff

Das Arrangement wirkte hermetisch und zugleich verblüffend opulent. Die Fotoserie „MIG“ (2017) von Ketuta Alexi-Meskhishvili, erstmals im Sommer 2017 bei „Produktion. Made in Germany Drei“ im Sprengel Museum Hannover zu sehen, rückt motivisch eine Reihe von Fenstern prominent ins Bild. Und zwar solche mit speziellen Verriegelungssystemen, wie sie von Sicherheitsfirmen angeboten werden. Die hochgerüsteten Modelle in martialisch-modernistischem Design sperren den Blick dabei absurderweise ganz oder teilweise aus: In MIG, Copper Ribbon (2017) sind die Fensterscheiben silbrig weiß verblendet, MIG, Fuschia Ribbon (2017) gewährt Ausblick in einen Garten, der eher nach Fototapete aussieht, und blockiert durch drei hochglänzend stählerne Querverstrebungen brutal die Sicht. Fotografisch sind die Fenster flächig und überwiegend in bildfüllender Monumentalität inszeniert. Angesichts der bis dahin vielschichtig durchlässigen, oft filigran, collagehaft und luftig wirkenden Bildsprache Alexi-Meskhishvilis ist der konfrontative Gestus der Serie überraschend. Für die Künstlerin ist bislang charakteristisch, ihre Kompositionen aus subtilen Verschränkungen analoger und digitaler fotografischer Praktiken zu entwickeln und die spezifischen Effekte und eine jeweilige Materialität bildgebender Verfahren auch motivisch in die Darstellung zu holen, sie mal subtil, mal markant als visuelle Brüche zu integrieren. In vielen Arbeiten lässt sie beispielsweise den Rand des Großbild-Negativs samt Lochung (von der Laborzange) als Werkbestandteil stehen oder setzt im Negativ informelle Kratz- und Lichtspuren oder Fotogrammprägungen ein, etwa in Yellow Mellow (2016), Vase (2013) oder Negative (2013). Solche bewusst zirkulär geführten Verfahren und „Fehler“ betonen die medial-materiellen Aspekte der Fotografie, brechen die Eindeutigkeit…

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