Titel: Zur Lage der Kunstkritik · von Christoph Doswald · S. 164
Titel: Zur Lage der Kunstkritik , 2013

Paolo Bianchi und Christoph Doswald

Kritik nach der Kritik

Gedanken zu einer Vorlesungsreihe an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) im Rahmen von „Positionen und Diskurse in den Künsten und im Design“* im Herbst 2011

Wo sollen Diskurse über die Künste künftig stattfinden? Und wer soll/darf sie führen? Diese grundsätzlichen Fragen nach Verortung und Autorität der kritischen Auseinandersetzung ist der wichtigste Ankerpunkt einer Zustandsanalyse zur aktuellen Kritik. Anders gesagt: Wir müssen zwar den Niedergang der klassischen Kunstkritik und der Printmedien beklagen – alleine in den letzten beiden Jahrzehnten ist im deutschsprachen Raum rund die Hälfte der Titel eingestellt worden und verloren viele Kritiker das Auskommen in ihrem angestammten Bereich –, können aber trotz einer Vielzahl neuer elektronischer Medien kaum Alternativen zu den bisherigen, gesellschaftsbildenden Diskursplattformen ausmachen. Diese Entwicklung zieht auch den schleichenden Verlust einer gemeinsamen Verhandlungskultur über Qualitätsfragen nach sich, die in der Lage wäre, ein breites Publikum für vertiefte Inhalte zu mobilisieren.

Neue Rekorde

Umso paradoxer ist diese aktuelle Situation, als dass kulturelle Themen und Produkte, speziell die Bildende Kunst, so salonfähig sind wie nie zuvor. Das zeigt sich, erstens, an stark gestiegenen Investitionen, die sowohl private Gönner und Sponsoren wie auch die öffentliche Hand in den Kulturbetrieb getätigt haben. Das zeigt sich, zweitens, daran, dass kaum ein Tag vergeht, ohne dass die Protagonistinnen dieses Wirtschaftszweigs – Stichwort „Kreativwirtschaft“ – medial abgefeiert werden. Das zeigt sich, drittens, auch am weiterhin ungebrochenen Interesse einer Spektakel- und Freizeitgesellschaft an kulturellen Themenfeldern. Und das zeigt sich nicht zuletzt an immer neuen Rekorden für Verkaufspreise von Kunstwerken.

Vorab dieser…

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