Magazin: Kulturpolitik , 1995

Andreas Denk

Kunst im Haus des Hoffnungsträgers

Die Telekom und die Kunst:

Ein Neubau in Bonn und seine Ausstattung

Der große wirtschaftliche Hoffnungsträger der Bundesstadt macht provokant auf sich aufmerksam: Wer sich dem Neubau der Generaldirektion der Telekom an der Bonner „Diplomatenrennbahn“ nähert, gewahrt zunächst einen wellblechverkleideten Sporn, der über einer weißverputzten, kolonnadenhaft geöffneten Rotunde auf hohen Pfeilern sitzt und unübersehbar in den Straßenraum hineinragt.

1990 entschied sich der Vorstand des Kommunikationsriesen, seine 14 Bonner Standorte auf einem 50000 Quadratmeter großen Gelände an der Friedrich-Ebert-Allee zusammenzulegen, in der Nähe von innerem Regierungsviertel und Museumsmeile. Nach einem Gutachterverfahren beauftragte der Konzern die Stuttgarter Architekten Kammerer + Belz, Kucher und Partner, die die geforderten 130000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche, 510000 Quadratmeter umbauten Raum mit 1800 Arbeitsplätzen souverän bewältigten: Das Geheimnis des Bauwerks liegt in einem Grundriß, der die gewaltige Baumasse raffiniert zu gliedern weiß.

Mit großer Geste leitet der Schwung des mehrgeschossigen Dorns in die daneben liegende 27 Meter hohe Glashalle, den eigentlichen Eingang des Groß-komplexes. Von dort aus gelangt der Besucher in zwei große Rotunden, in denen Konferenzräume und ein gigantischer Vortragssaal untergebracht sind. Von hier aus entwickelt sich das fünfgeschossig aufgestapelte Bürovolumen mit drei rechtwinklig zueinander sitzenden, unterschiedlich langen Schenkeln, von denen aus acht „Finger“ zu den Straßenseiten hinausstrahlen.

Die Fassaden dieser immensen Raumfolgen haben die Architekten im Wechsel weiß verputzt und mit Wellblech verkleidet. Auch in der Glashalle wird diese kühle Materialität durchgehalten und formuliert hier – mit baumbestandenen Rasenflächen auf den großen Treppenstufen, die zu einem großen Gartenhof hinunterführen – gewissermaßen einen überdachten Außenraum.

An verschiedenen Stellen haben…

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