documenta fifteen: Gespräche
La Intermundial Holobiente
Vervielfältigungs- und Kombinationsbeziehungen eines Komposthaufens
La Intermundial Holobiente, ein interdisziplinäres Quartett aus Argentinien, besteht aus der Philosophin Paula Fleisner, der Künstlerin Claudia Fontes, dem Schriftsteller Pablo Martín Ruiz sowie einem potenziellen vierten Mitglied.
Heinz-Norbert Jocks: Was hat es mit Eurem „Buch der zehntausend Dinge“ auf sich, welches in Kooperation mit vierzehn argentinischen Künstler*innen und Schriftsteller*innen entstanden ist?
La Intermundial Holobiente: In der Mitte der Seite befindet sich ein von einem nicht-menschlichen Wesen geschriebener, unsichtbarer Text, der dadurch lesbar wird, dass wir ihn übersetzen und mit Worten und Bildern kommentieren. Die Besucher finden das Buch in einem verwilderten Bereich des Karlsaue-Parks, dem Theaterschlag. Es ist in einem Bauwagen in dreierlei Weise ausgestellt: In einer buchgebundenen Version, als Video, das die vielen Möglichkeiten der Lektüre zeigt, und in dem Archiv „Signothek“ aus einem Haufen loser Seiten, das die potenziell unendlichen Vervielfältigungs- und Kombinationsbeziehungen eines Komposthaufens imitiert. Die Signothek ist eine Einladung an die Besucher, das Bedeutungspotenzial der zehntausend Dinge immer wieder neu zu entfesseln. Außerhalb des Bauwagens zeigt eine große, auf Stoff gemalte Theaterkulisse die Landschaft, die ihn umgibt, hängend an zwei Heliumballons. Der Stand der Sonne und der Wind beeinflussen laufend die Sichtverhältnisse, und die gesamte Szene wird während der 100 Tage von zwei Lochkameras aufgezeichnet.
Worum geht es inhaltlich?
Wir glauben, dass das Überleben der Menschheit auf der Erde von unserer Fähigkeit abhängt, sich dekolonisierende und nicht-extraktivistische Beziehungsformen zwischen allem, was existiert, vorzustellen. Diese sind nur dann lebensfähig, wenn wir das Nichtmenschliche als zentralen Bestandteil des…
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