Magazin: Publikationen · von Marius Babias · S. 512
Magazin: Publikationen , 1996

Landschaftsarchitektur und Land Art

Auf das gestiegene ökologische Bewußtsein reagierte die Landschaftsarchitektur der letzten Jahre mit dem Weg in die Sackgasse des Barockgartens und der Grünplanung. Weder die Schnörkelhaftigkeit des Barock noch der Funktionalismus der Grünplanung konnten den Dialog zwischen Mensch und Natur aufrechterhalten, geschweige denn beleben. Folge: Die Innenstädte veröden, weil Grünanlagen den Charme von Verkehrsinseln verströmen. Und weil neue Impulse für die zur Verkehrsplanung degradierte Landschaftsarchitektur nicht in Sicht sind, schlägt Udo Weilacher, Landschaftsarchitekt am Institut für Landschaft und Garten der Uni Karlsruhe, die Land Art als Ideenlieferanten vor. Aus ihr, so Weilacher, ließen sich „entscheidende Hinweise für eine zeitgemäße Sprache in der Landschaft ableiten“.

Land Art, zu deren Vertretern Walter de Maria, Michael Heizer, Robert Smithson oder Richard Long zählen, entstand aus der Zivilisationskritik der Überdrußgesellschaft in den sechziger Jahren. Werke prozessierten mit und in der Landschaft. Naturmaterialien wie Erde, Stein, Wasser, Stein oder Holz strukturierten den Landschaftsraum neu. Heizers „Double Negative“ (1969/70), de Marias „Las Vegas Piece“ (1969) oder Smithsons „Spiral Jetty“ (1970) sind, obwohl längst überwuchert oder – wie „Spiral Jetty“ – vom Wasser überflutet, zu Klassikern geworden. Im Gegensatz zum schwammigen Ewigkeitsanspruch der Landschaftsarchitekten schlummert in ihnen die Präzision der Vergänglichkeit.

Im einleitenden Essay und gründlichen Einzelportraits (u.a. Dani Karavan, Ian Hamilton Finlay, Peter Latz, Sven-Ingvar Andersson, Martha Schwartz) schärft Weilacher mit seiner in die Zukunft gerichteten kritischen Retrospektive der Land Art nicht nur das historische Problembewußtsein, er skizziert vor allem die Tiefenwirkung der Natur-Kunst auf eine erschöpfte Landschaftsarchitektur, zeigt Parallelen auf, ermißt die überbrückbare Kluft zwischen…

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