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Ausstellungen: London · von Edgar Schmitz · S. 388 - 389
Ausstellungen: London , 2008

Edgar Schmitz
Laughing in a Foreign Language

The Hayward, London, 25.1 – 23.4.2008

Gelacht wird hier nicht und wirkliche Witze gibt es auch nicht viele. Vielleicht liegt das daran, dass Humor sich nicht wirklich vorführen lässt sondern als Effekt produziert werden muss. Diese Produktion aber hat bestimmte Mechanismen, die sich wiederholen – Überraschung und Schock, das Fremdmachen des Vertrauten, Abgrenzung und Einbeziehung, also Fremdheitserfahrungen – und genau von diesen Modalitäten aus wird die Ausstellung aktiv. Zum Beispiel wenn Candice Breitz aus den japanischen Wörtern, die sie vor ihrem Besuch in Japan schon kannte, mit japanischen Schauspielern sub-theatralische Szenen inszeniert, deren sprachliches Repertoire sich ausschließlich aus diesem Vorrat von Araki bis Sushi, Bento bis Kurosawa aufbaut. Wer hier noch lacht und über wen ist in den Szenen im Film ebenso unklar wie im reflektierten Japanbesuch und dann jetzt in der Ausstellung. Lachen ist hier nicht universell geschweige denn vermittelnd, sondern vielmehr Zeichen und Modus einer Ausgrenzung, die vom Publikum verlängert werden muss. Ähnlich gilt das, wenn auch unter anderen Vorzeichen, auch für Gimhongsoks Bremer Stadtmusikanten, die als Persiflage auf Santiago Sierra essentialistischen Voyeurismus vorführen, oder Barthélémy Toguos Holzkoffer, die sich an den Grenzen nicht öffnen lassen, an denen er zwischen Kamerun, Nordamerika und Europa immer wieder hängen bleibt.

Humor ist eben nicht der Überbegriff zu Ironie und Komik, sondern eine Modalität des Komischen (für Deleuze zeichnet sich im Gegensatz zur sinnstiftenden, geschlossenen Ökonomie des Ironischen Humors durch Offenheit aus). Für die Ausstellung ist wichtiger, woran das angrenzt, was Humor mit Timing und Kontext…


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