Ausstellungen: Amsterdam · von Frank-Alexander Hettig · S. 378
Ausstellungen: Amsterdam , 1994

Frank-Alexander Hettig

Luc Tuymans

Galerie Paul Andriesse, Amsterdam, 16.10. – 24.11.1993

Dass sich der Betrachter von den kleinformatigen Gemälden des belgischen Künstlers Luc Tuymans in einige Unruhe versetzt sieht, liegt in dem Umstand, dass er durch Andeutungen die Leere der Dinge zeigt. Einerseits sind die Themen aus Erinnerungen und Fundstücken herausgegriffen, erzeugen aber gleichzeitig die Assoziation mit Sterbendem und Todgeweihtem, mit der Ohnmacht der Vernunft, mit Schmerz und Leid, Verzweiflung, Kampf und Tod.

Die Unruhe und Unsicherheit werden zum Beispiel in der dreiteiligen Arbeit „Ice“ (1992) deutlich. Obwohl es sich darin nur um die drei grauen Fragmente und die sterilen Ausschnitte von Türklinke, schlapp herabhängendem Handschuh und Eisbehälter handelt, strahlen sie dank des Farbgebrauchs eine unruhige Stille und gleichzeitige Bedrohung aus. Durch die Andeutung – es ist unklar, ob es sich um einen Sachverhalt oder um Verfälschung der Realität handelt – und persönliche Assoziation erscheinen sie plötzlich wie Ausschnittsvergrösserungen oder Fragmente eines Seziersaals, Mortuariums oder Gerichtmedizinischen Instituts. Durch den Titel wird die kühle, existenzbedrohende und -zerstörende Atmosphäre noch unterstrichen.

Die Ungewißheit und Unbestimmtheit der Umgebung kommen auch in dem Gemälde „Silent Music“ zum Ausdruck. In einem anonymen Zimmer stehen gewöhnliche Gebrauchsgegenstände wie Bett, Schrank und Stuhl. Es sollte ein Kinderzimmer sein, und doch fehlt jede Spur perönlichen Besitzes oder des individuellen Gebrauchs und seiner Spuren. Dieses Zimmer wird nicht mit Idylle oder fröhlichem Kindergeschrei assoziiert, sondern mit einem unbewohnten Krankenhauszimmer. Die Gegenstände sind und bleiben anonym, verlassen und verloren. Sie sind jedoch kein Teil oder Dekor zu einer folgenden Geschichte, sondern Fragmente eines kurzen dramatischen…

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