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Ausstellungen: Aachen · S. 334 - 335
Ausstellungen: Aachen , 1989

Renate Puvogel
Ludwig Vandevelde

„Kunst der Melancholie“
Neuer Aachener Kunstverein, 12.11.-Ende Dezember 1988

Dem Eintretenden bietet sich ein karges, nicht gerade heiter gestimmtes Bild: Wenige schwarze riesengroße und winzig kleine Objekte sind dergestalt auf den weißgetünchten Raum verteilt, daß man sie mit einem Blick zwar rasch ausfindig machen kann, daß sie sich aber ihrer eher sparsamen denn minimalistischen Form und dem immateriellen Schwarz nach zu entziehen scheinen.

An der Wand lehnt ein überdimensionales schwarzes Medaillon, versetzt dazu steht ein rechteckiger vergitterter Käfig; er wiederum korrespondiert mit einem weiteren kantigen Bodenobjekt weiter hinten im Raum, wie andererseits zwei kleine Wandstücke, ein vergoldeter Spiegel und ein Glöckchen, jeweils kombiniert mit einer schwarzen Dose, trotz der Distanz zwischen ihnen aufeinander bezogen sind. Vitrinenstücke gesellen sich ergänzend hinzu. Dennoch wird man von dem schweigsamen Ernst und der fremden Schönheit der Dinge unmittelbar angerührt. Man überläßt sich einem Gefühl von Melancholie, den der Ausstellungstitel verheißt, als einer Mischung aus ahnungsvoller Trauer und rätselnder Nachdenklichkeit darüber, woher die beunruhigende Wechselwirkung zwischen den stillen Dingen und dem eigenen Selbst rühren könnte. Und damit ist man sogleich jener zwiespältigen Grundstimmung erlegen, welche der Künstler in seinem Werk zum Ausdruck bringen will. Denn innerhalb der vier klassischen Temperamente zeichnet sich das des Melancholikers durch den sich fruchtbar ergänzenden Widerspruch von resignierender Tatenlosigkeit und produktivem Tatendrang, gilt der Melancholiker als Typus eines depressiven Träumers und schöpferischen Denkers. Er ist dem Planeten Saturn zugeordnet; der römische Gott Saturnus stand dem aktives Leben repräsentierenden Ackerbauer ebenso nahe wie dem Tod bringenden Totengräber. Vandevelde reklamiert…


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