Nachrichtenforum: Messen & Märkte , 2011

Mit 3.500 Euro Standgebühr pro künstlerische Position war die Teilnahme an der abc – art berlin contemporary für die Galerien vergleichsweise günstig. 125 Teilnehmer bezogen mit Arbeiten von 130 Künstlern einen Parcours im alten Berliner Postbahnhof, bei dem man bewusst die traditionelle Messearchitektur mit uniformen rechteckigen Kojen vermieden hatte. Stattdessen hatte Jan Ullmer, der für den Grundriss des Hallenplans verantwortlich war, gezackte Stellwände wie ein Mänder-Ornament auf die beiden Hallen aufgeteilt, und dies manchmal bewusst in spitzwinkliger Anordnung. „About painting“ lautete das inhaltliche Motto dieser Kunstschau, für die als Kuratoren Rita Kersting und Marc Glöde verantwortlich waren. Kersting wollte die Malerei jedoch „nicht als Gattung“ im traditionellen Sinne verstanden wissen, sondern in einem erweiterten Sinne als „Thema“. So kamen denn auch Fotografie und Video nicht zu kurz. Wie Malerei im erweiterten Sinne verstanden werden kann, bewies z.B. der Maler Matthias Weischer, der eine Rauminstallation mit Paravent am Stand der Galerie Eigen + Art aufgebaut hatte. 120.000 Euro verlangte sein Galerist Gerd Harry Lybke für das Werk. Dass indessen bei dieser Veranstaltung nicht eine aus Galeristen bestehende Jury andere Galerien auswählte, sondern dass eine „kuratierte Ausstellung“ inszeniert wurde, war ein weiteres positives Merkmal, mit dem die „abc“ sich vom konventionellen Messebetrieb abheben wollte. Ob die „abc“ sich jedoch tatsächlich auf Dauer als eine Alternative und attraktivere Nachfolgeveranstaltung zum eingestellten Artforum etablieren kann, wird sich noch zeigen. Insider registrierten jedenfalls, dass die zeitgleichen Galerieeröffnungen am selben September-Wochenende in Köln, Düsseldorf und München wohl den einen oder anderen wichtigen Sammler von einer Berlin-Reise…

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