Ausstellungen: Düsseldorf · S. 284
Ausstellungen: Düsseldorf , 1985

Pierre Klossowski

Galerie H. Winter-C. Hölzl, Düsseldorf

Der etwas mickrige Onkel mit dem gealterten Baby-Face greift der stolzen Nichte um die Beine und blickt lüstern – so wie er es vermag – an ihrem verführerisch nackten Körper hoch. Sein erhaben göttlicher Vorfahr mit dem überirdischen Auge auf der Stirn hält das nackte Weib in eindeutiger Pose auf seinem – natürlich – nackten Schoß. Moderne Errungenschaften schwebender Aufhängung halten das Paar auf leicht erhöhter Plattform. Die Hängevorrichtung bildet ihrer technischen Natur gemäß ein Dreieck. Sollte Klossowski, der schreibende und zeichnende ‚Dichter‘ von »Hirngespinsten« – wie er seine ‚Bilder‘ selber umschreibt – nur dies im Kopf gehabt haben – oder doch mit den Elixieren der Dreieinigkeit gespielt haben. Kirchenvertreter dürften zu früheren Zeiten solche sexuelle Gebärden-Verdichtung mit der ganzen geballten Macht ihrer Instrumentarien verfolgt haben. Heute müssen sich die Reinen des Geistes mit Robertes Begegnungen im Garten der Lüste wohl abfinden.

Die Abscheulichkeit der ‚faits divers‘, jener eigentümlichen journalistischen Sensationsmache französischer Zeitungen und Zeitschriften, habe ihn von Kindesbeinen auf gefesselt. Deren lüsterne Basis – soweit sie die Sensation obsessiver Sexualität betrifft – bestimmt im Vordergrund durchaus die stilisierte Zeichenwelt Klossowskis, dessen Werk im heißen Klima der beginnenden 80er Jahre an die breite Öffentlichkeit gelangte. Nach Lohse war Klossowski auf der letzten Documenta der an Jahren älteste Künstler. Die doppeldeutig provokative Verknüpfung von vermeintlich eindeutigem Bildszenario und offener Sprache/Bildlichkeit als haltlose Beschreibung einer nicht beschreibbaren Obsession rückt Klossowski in die Nähe der jüngeren Generation, von der ihn seine intellektuelle Strategie wiederum deutlich unterscheidet.

Die Provokation sexueller Phantasmen…

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