Essay , 1985

Für den Glauben an eine Sprache der Zeichen

von Amine Haase

Das Unbehagen am Zustand des Menschen nimmt zu. Der Einzelne findet sich nicht zurecht; die Masse ist desorientiert, das Individuum in der Menge isoliert. Die wachsende Zahl der Berichte über den Zivilisations-Pessimismus erhöht die Irritation. Zu unterschiedlich sind die Analysen, als daß sie für Heilmittel brauchbar erscheinen könnten. Die Argumente sind zersplittert, und folglich scheint eine verbindende Lösung unmöglich. Worte haben mehrere Bedeutungen, so daß eine Verständigung immer schwieriger wird.

Die Informationen über den Menschen häufen sich. Aber der kann sich nicht mehr als Mittelpunkt wiederfinden. Er kämpft um den zentralen Platz, den der homo sapiens sich auf seinem Weg durch die Geschichte erworben hat. Und er zweifelt an vielen Punkten, die seine Entwicklung entschieden haben. Er erkennt, daß mancher sogenannte Fortschritt auf Mißverständnissen beruht. Und er sehnt sich nach einem Ort in Raum und Zeit, von dem aus eine Übersicht möglich ist: Klarheit zur Besinnung, Mut zum Weitergehen, hofft er dort zu finden. Um so wieder zu einer Welt vorzustoßen, in der Sprache und Zeichen verbindlich sind und also allgemein verständlich.

Signale für ein – hier nur skizziertes und auf den Okzident bezogenes – Unbehagen gehen von dem Bereich aus, den sich der Mensch als Kultur schuf. In den Schöpfungen der Literatur, der Musik, der Bildenden Kunst drückt sich zunehmend Ratlosigkeit aus. Und die wird von Historikern, Philosophen, Soziologen gedeutet, oft auch ausgebeutet. Schnelle Formulierungen und quicke Tips zum Überbrücken der Misere sind beliebter als gründliche Untersuchungen und langfristige Änderungsvorschläge: Das sind…

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