Ausstellungen: Biennale Paris , 1985

Klaus Honnef

Nouvelle Biennale de Paris
Grand Halle de la Vilette Paris

Ein gefundenes Fressen für die eifernden Kulturkritiker, wie René König alle diejenigen nennt, in deren Argumentation sich vornehmlich die eigenen Vorurteile spiegeln, doch kaum einer konnte oder wollte die Gelegenheit so recht nutzen. Wo früher das Schlachtvieh in großem Rahmen auf permanenten Auktionen umgeschlagen wurde, in der Großen Halle von La Vilette, auf einem Gelände, das einer Wüste ähnelt und nicht einem Park, wiewohl es als solcher bezeichnet wird, richteten sich als erste Nutznießer der Viehhändler und ihrer Klientel, die aus praktischen Erwägungen den Ort im Nordosten der Stadt Paris verlassen haben, die Matadore des Kunstbetriebs und ihr Publikum ein. Das einstige Schlachthofgelände, an dessen vormalige Bestimmung noch zahlreiche Metzgereien und hervorragende Restaurants mit bodenständiger, deftiger Küche erinnern, ist dazu ausersehen, nach dem enormen Erfolg des Centre Pompidou einer in kultureller Hinsicht ehrgeizigen Staatsregierung und einer auf diesem Sektor nicht minder ehrgeizigen Stadtverwaltung, die, wenngleich oppositionell regiert, im Buhlen um Aufmerksamkeit nicht ins Hintertreffen geraten will, gleichsam als zweites Schaufenster kultureller Aktivitäten und wirksames Instrument kulturpolitischer Initiativen zu dienen. Während in unmittelbarer Nachbarschaft ein gigantisches Wissenschafts- und Technikmuseum seiner Vollendung entgegengeht, das der französische Staatspräsident Mitterrand kurz vor Ablauf der gegenwärtigen Wahlperiode eröffnen wird, soll die Große Halle künftig allen spektakulären Ereignissen mit kulturellem Anspruch und aus den verschiedensten künstlerischen Disziplinen das geeignete und entsprechend auch großzügige Forum bieten. Bis dahin auf die engen Räume im Städtischen Museum für moderne Kunst an der Avenue Wilson beschränkt, erhielt die im…

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