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Titel: Video-Special · S. 180 - 180
Titel: Video-Special , 1989

Dieter Daniels
Prix Ars Electronic für Computerkunst 1988

ORF Landesstudio Linz

Bereits im vorigen Jahr hatte die Vergabe des Hauptpreises für Computer-Animation an John Lasseter für „Luxo jr.“ ein ungutes Gefühl hinterlassen. Nicht nur, daß das mit solch immensem Rechenaufwand in monatelanger Arbeit produzierte nette, kaum 2 Minuten lange Computerfilmchen von zwei hopsenden und ballspielenden Lampen in seiner künstlerischen Originalität von jedem Trickfilm der 60er übertrumpft wird. Wenn man mit anderen Augen daraufsieht, wird klar, daß solch ein finanzieller Aufwand und eine solche technische Perfektion nicht umsonst betrieben wird, sondern, daß dies ein exzellentes Demonstrations-Stück ist, für Probleme, wie sie sich vor allem im militärischen Sektor stellen: zwei bewegliche Ziele präzise in ihrer gegenseitigen Erfassung im Lichtkegel samt Reflexionen und Schattenwurf zu berechnen. Ganz ähnliche Simulationen dienen zum Beispiel der wechselseitigen Radarortung von U-Booten und Kampf-Flugzeugen. Das solchen sicher kommerziellen und sehr wahrscheinlich militärisch gesponserten Produkten ein Kunstpreis zuerkannt wird, erscheint bedenklich. Nichtsdestotrotz hat sich die Jury in diesem Jahr unglaublicherweise entschlossen, zum zweiten Mal den Hauptpreis für Computer-Animation an John Lasseter und seine Firma Pixar zu vergeben.

Zurecht fragt Brian Reffin Smith in seinem empfehlenswerten Essay im Katalog der Ars Electronica: „Wenn ich einen Computer benütze, so benütze ich ein System, das in erster Linie für militärische und kapitalistische Zwecke entwickelt wurde (anders als der Bleistift). Macht mich das nun zu einem Militaristen, zu einem kapitalistischen Künstler?“ Brian Reffin Smith hofft, daß nicht, -aber bisher scheinen sich die Technokraten auf breiter Front durchgesetzt zu haben und ihre Antwort dürfte sich wohl so…


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