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Ausstellungen: München · S. 293 - 294
Ausstellungen: München , 1989

Heinz Schütz
Raimer Jochims

Steine
Kunst und Kommunikation, 28.10.-3.12.1988

Zur ersten Phase der Entwicklung seiner Identitätskonzeption zählt Raimer Jochims die chromatischen und schwarzen Bilder der sechziger und frohen siebziger Jahre, die zweite Phase umlaßt die Spanplattenbilder, Papierarbeiten und die 1976 einsetzende Arbeit mit und an Steinen. Zieht man in Betracht, daß unter den Ausspizien des Postmodernismus als Folge avancierter Technologie ein Verwirrspiel zwischen Realität und Illusion begann, zieht man in Betracht, daß das Prinzip Theater die Bildenden Künste ergriffen hat, so wird die Jochimsche Identitätskonzeption und die darin implizierte Illusionsverweigerung heule zu einer Herausforderung gegen den Zeitgeist. Sie tritt in aller Stille an den Steinen zutage.

Traditionelle Bildhauerei verwendet seine als Material, sie instrumentalisiert sie und stellt sie in den Dienst der Abbildung. Jochims hingegen – nicht von ungefähr schätzt er den aus dem Geist des Shintoismus und Zen-Buddhismus erwachsenen Umgang mit Steinen – verzichtet sowohl auf die mimetische Verkörperung eines außerhalb des Steins liegenden Anderen, aber auch darauf, im Sinne abstrakt-konstruktivistischen Denkens eine Formidee an den Stein heranzutragen. Jochims behandelt den Stein als eigenständiges, individuelles Formwesen, dessen Kern er unter der Stinterhaut freilegt. Das Abschlagen mit dem Stockhammer – Jochims: „Jeder Schlag eine Entscheidung“ – folgt dem Formen des Steins, die Formidee entwickelt sich dialogisch im Prozeß der Bearbeitung: Der Stein teilt seine Form mit, der Hammer antwortet darauf, um sie geläutert zu sich selbst zu bringen. Bewußt wählt Jochims Steine aus, die ausschließlich von der Naturgeschichte gezeichnet sind, er wählt sie nicht kleiner als seine Faust und nur so groß, daß…


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