Ausstellungen: Graz , 2003

HEINZ SCHÜTZ

real*utopia

Graz – Kulturhauptstadt Europa 2003 – Griesviertel, 24.5. – 26.9.2003

Für das Jahr 2003 wurde Graz zur Kulturhauptstadt Europas erklärt. Worin auch immer die tiefere Bedeutung eines derartigen Titels bestehen mag, er funktioniert vor allem als Städtereklame, er befördert das Stadtimage und den Kulturtourismus, nicht zuletzt mobilisiert er Gelder, die sonst für Kunst nicht zur Verfügung stünden und wirkt damit wie eine Selffulfilling Prophecy, wobei zeitgenössische Kunst in Graz durchaus, bereits vor der Zirkulation dumm-platt-dreister Werbesprüche à la „Graz ist Kultur“, eine immer wieder beachtliche Rolle spielte.

Besonders geeignet für die städtische Selbstdarstellung ist Kunst im öffentlichen Raum. Eine Reihe von Projekten in nichtinstitutionalisierten Räumen wurde seit Beginn des Jahres verwirklicht, angefangen von „Graz Memory“ in den Stollen des Schlossbergs über das kirchliche „Himmelschwer“ bis hin zu der von der Betonindustrie gesponserten Verteilung von Betonkunst im Stadtraum. Im Herbst wird das bereits seit langem geplante und von Peter Cook und Colin Fournier entworfene Kunsthaus mit seiner biomorphen, futuristisch anmutenden Hülle eröffnet. Das gegenwärtig spektakulärste Projekt, Vito Acconcis Insel in der Mur, war vor dem Bau heftig umstritten und avancierte nun zu einer Attraktion des Mainstreamtourismus. Einzelne Projekte wurden speziell für die ankommenden Grazbesucher auf der Autobahn, im Hauptbahnhof, im Flughafen, im Zug und im Taxi realisiert. Die damit vollzogene Inszenierung des Kulturhauptstadt-Titels für den kulturtouristischen Blick findet ein Äquivalent, wenn Wahrzeichen der Stadt, Uhrturm und Mariensäule, künstlerisch kommentiert werden und damit, nun durchaus jenseits von Stadtreklame, ein Diskurs über das historische und religiöse Fundament des Grazer Selbstverständnisses ausgelöst wird.

Im Gegensatz zu…

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von Heinz Schütz

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